Slayer
jenseits der schuldfrage
19.04.1996, 13:40, Text: Autor unbekannt
Doch der Kobold hat Hörner. Araya ist ein ungemein netter Mensch, er hat freundliche Augen, ein gewinnendes Lächeln, und aus seinem Mund kommt viel halbverdauter Müll. Ungern erinnern wir uns an seine unhaltbaren Verständisbekundungen für Chiles Diktator Pinochet und an die vielen anderen Klopfer aus 12 Jahren SLAYER. Die oftmals versuchte Analyse all dieser Bekundungen, Vorlieben, Texte und Ästhetiken von King, Hannemann und Araya - was hat sie gebracht? Daß wir es mit über 30jährigen, besonders verantwortungslosen Vertretern der Spezies „Beavis & Butt-Head“ zu tun haben, die allerdings dummerweise im Realen spielen.
Bemerkenswerterweise haben SLAYER gerade eine Platte aufgenommen, die ausschließlich Punk- und Hardcoreklassiker ihrer Anfangstage vereint.
Komischerweise hat die kleine Änderung MINOR THREAT überhaupt nicht gefallen. Ob sie wohl doch etwas anderes aussagen wollten? Der kurze Versuch einer Diskussion über dieses wahrlich schwierige Feld verläuft logischerweise im Sand. Nein, er glaube nicht, daß wir eine Verpflichtung zur Hilfe und Unterstützung der Minderprivilegierten haben. Sollen sie sich doch selbst helfen. Jeder wie er will halt. Survival of the fittest. Wie sich davon unschwer ableiten läßt, waren die Inhalte bei der Auswahl des Materials von VERBAL ABUSE über DRI bis STOOGES völlig egal. Die Stücke waren cool oder eben nicht. Der etwas irritierende Eindruck, SLAYERs Einflüsse lägen ausschließlich im Hardcore, resultiert aus dem mißglückten Versuch, sich IRON MAIDENs und PRIESTs anzunehmen. Denn eigentlich wollten sie einen Querschnitt durch alle Musik, die sie beeinflußte. Daß Punk und Metal eher zwei verschiedene Welten sind, hat zumindest Tom noch nie gestört. Damals war Kerry King Metal und Jeff Hanneman war Hardcore - zwei der Stücke auf „Selected And Exhumed“ sind von ihm selbst aus einem anderen Projekt in frühen Tagen. Mittlerweile hat auch Eisenkopf King Punk entdeckt, die Auswahl der Stücke wurde zwischen ihm und Hanneman aufgeteilt. Und was ist Toms Lieblingsstück? „‘I Hate You’. Denn ich hasse niemanden. Ich kenne keinen Haß. Es ist Zeitverschwendung. Aber es zu schreien, war eine gute Übung. Für zwei Minuten habe ich alle gehaßt. Alle Leute sollten das tun. Danach kann man befreit nach Hause gehen und ein Bier trinken.“
Wie macht man über Jahre hinweg solche Musik ohne das Grundgefühl von Haß? „Es geht um Energie, Mann. Und es geht darum, es all den Leuten zu zeigen, die uns sagen, daß wir scheiße sind. Ihre Warnungen nicht hören.“ Da ist sie wieder. Die omnipräsente Anti-Haltung, wegen der SLAYER populär sind. Denn der Faszination des Unkorrekten zu verfallen, ist leicht und verständlich - zu freudlos und platt winken die Apostel mit ihren Fahnen. Um nicht in Gefahr zu geraten, diese direkte Form, Scheiße zu sein, eventuell durch zuviel Nachdenken zu verwässern, verlängern SLAYER einfach ihre Pubertät ins Unendliche. Nicht ohne Stolz erzählt Tom vom kindlichen Wesen der Band, wie sie ihre Kategorienwelt auf „cool“ und „suck“ begrenzen, nach diesem Prinzip auch ihre Platten komponieren und in den Tag hineinleben. Die anhaltende Faszination Massenmord - ob Auschwitz („Angel Of Death“ von REIGN IN BLOOD) oder Jeffrey Dahmer („213“ von DIVINE INTERVENTION) - das ist cool. Damals hatten die Punks auch Hakenkreuze auf den Jacken. Damals.
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