And Also The Trees

there was a band of double deed

15.04.1996, 16:01, Text: Autor unbekannt

Überraschend trat der Wandel nicht ein. Bereits der 1993 erschienene Vorgänger \"The Klaxon\" ließ mit den zunehmenden Stil- und Soundveränderungen im Klangbild der Musik erkennen, daß die TREES sich für \"Angelfish\", den neuen Longplayer, einiges vornehmen würden. Was damals noch als Hinführung zu einer neuen Ära hätte verstanden werden können, es ist vollzogen. Hinweg sind sie, die Gitarren-Wände, mit denen Justin Jones sein Instrument in ein hundertköpfiges Balalaika-Orchester verwandelte. Der Anblick von Friedrichs \"Kreidefelsen auf Rügen\" ist den Gemälden eines Edward Hopper gewichen. Plötzlich findet sich der Hörer in einer Welt der 50s Clubs und verqualmten Poker-Räume wieder, sieht sich in \"Charly’s Snack-Inn\" sitzen, der Kaffee heiß, die amerikanische Zeitung aufgeschlagen.
\"Die Entwicklung von ‘The Klaxon’ hin zu ‘Angelfish’“, so Sänger Simon Huw Jones, \"vollzog sich nicht auf der Basis fester Vorgaben.

Es war nicht beabsichtigt, die Musik komplett zu verändern. Allerdings ließ der zunehmende Jazz-Einfluß eine Richtung erkennen, die wir sorgfältig ausarbeiten wollten. Es ist jedoch übertrieben, ‘Angelfish’ ausschließlich als Jazz-Album zu bezeichnen.\" Muß man auch nicht, denn selbst wenn die Romantik ein neues Gesicht erhalten hat, so ist die für das Wurzelwerk der TREES mitentscheidende New-Wave-Mixtur aus Melancholie und Poesie nicht gewichen. Verantwortlich hierfür ist vor allem Jones’ Gesang. \"Die Stimme ist einer jener Charaktere, die entscheidend sind für das Erscheinungsbild der Band. Mit einem anderen Sänger hätten die Hörer vielleicht nie bemerkt, daß es sich bei dem Album um AND ALSO THE TREES handelt. Ich kann meine Stimme nicht in einer Art verändern wie z. B. einen Gitarren-Sound.\"
Gerade letzterer hat sich dermaßen gewandelt, daß man den Ohren nicht trauen will. Einstmals mit Effekt-Sounds vollbeladen, hat Justin Jones seine Gitarre so gut wie nackt ins Rennen geschickt. Hier und da erscheinen Phaser-Klänge, dort hintergründige Wah-Wah-Sounds und leichte Verzerrungen, insgesamt aber ist die Gitarre eher \"clean\". \"Ich habe lange mit den für die TREES typischen Effekten gearbeitet, dann aber wurde dieser Sound zunehmend von anderen Gruppen kopiert, und mir ging der Spaß daran verloren. Als ich an den Songs zu ‘Angelfish’ saß, hatte ich bereits eine Idee, wie das Album klingen sollte. Ich wollte eine ganz bestimmte Atmosphäre erzeugen, und dies führte zu einem neuen Klangbild.\"
Merkwürdig ist und bleibt dabei, daß AND ALSO THE TREES es mit oder ohne Effektbelagerung, Wave oder Jazz, Friedrich oder Hopper so oder so schaffen, Träume am Leben zu erhalten.



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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