Mc Det

junglist beat jogging par excellence

13.04.1996, 20:42, Text: Autor unbekannt

INTRO: Was kam vor Jungle?
MC DET: Damals hatten wir ein Soundsystem, mit dem wir mit sehr vielen musikalischen Stilen experimentiert haben: HipHop, Rare-Grooves, Ragga, Soul ... Zudem komme ich aus einer sehr musikalischen Familie. Meine Schwestern spielen Instrumente, mein Bruder ist HipHop-DJ und mein Vater Saxophonist. Er spielte in verschiedenen Bands ganz unterschiedliche Musik wie Reggae, Dub, Blues und Jazz. Außerdem nahm er mich immer in Studios oder zu Auftritten in Parks mit.
INTRO: Und wie kamst du schließlich mit Jungle in Berührung?
MC DET: Na ja, in der gleichen Straße (in Hackney) wohnte ein DJ, BROCKIE von KOOL FM, dem Kult-Jungle-Piratensender.

Er kam einfach rüber, fragte mich, ob ich Lust hätte, bei einer Sendung mitzumachen.
INTRO: Wann war das ungefähr?
MC DET: Anfang der 90er, Jungle war damals natürlich noch anders. Für mich war das auch neu, ziemlich Hardcore. Zunächst ging es mir vornehmlich um den Vibe, weniger um Lyrics. Als sich Jungle dann über die Jahre entwickelte, konnte ich mehr und mehr von dem einbringen, was ich früher gemacht hatte.
INTRO: Ist es nicht ziemlich schwierig, als MC mit diesen schnellen und dominanten Beats zu arbeiten?
MC DET: Ja, sicherlich. In früheren Tagen benutzten viele Ragga, langsame Raps oder sangen sogar, niemand hatte eigentlich einen spezifischen Jungle-style. Mir gefiel Rap eigentlich schon immer. Nur, wenn du über HipHop-Beats rappst, dann reimt sich z. B. jedes erste und fünfte Wort, das funktioniert bei Jungle natürlich nicht. Um mit der Geschwindigkeit der Drum-Bass mitzuhalten, muß sich jedes Wort reimen, und dazu mußt du eben viel üben ...

INTRO: Oftmals sind die Lyrics schwer verständlich ...
MC DET: Hm, Jungle ist erst einmal eine sehr energiegeladene Musik. Musik, die Menschen auf einem Rave zu einem bestimmten Level aufbaut. Als MC hast du dann die Möglichkeit, der Crowd noch ein wenig mehr zu geben. Generell gibt es sehr viele MCs, unterschiedliche Stilrichtungen, Leute, die eher vibin´, einen Partystyle bevorzugen, sehr schnell sprechen und dabei vielleicht weniger auf eine klare Betonung achten. Viele MCs sind auch noch sehr jung ...
INTRO: Erinnert das nicht stark an die Anfänge von HipHop, als mehr Party, Entertainment im Vordergrund stand?
MC DET: Ja, diese Parallele sehe ich auch. Im Moment sind die Leute mit dem Zusammenwachsen verschiedener Stilrichtungen im Jungle zufrieden. Es wird dazu kommen, daß die Leute sagen: \"Heh, ich mag die Musik, ich möchte aber auch, daß die Lyrics mehr Bedeutung haben, mir etwas erzählen!\" Und das ist es, was ich mit meinem Album erreichen möchte, eine Form zu wählen, von der Leute sagen: \"Oh well, er rappt über ein gewisses Thema, damit kann ich mich identifizieren.\"
INTRO: Stilistisch ist dein Album sehr breitgefächert: Intelligent Drum’n’Bass, Hard-Stepping, langsame Stücke, viele HipHop-Samples ...
MC DET: Neben der Arbeit mit BROCKIE habe ich an den Wochenenden mit unterschiedlichen DJs zusammengearbeitet. Mir war es immer wichtig, mich nicht nur auf einen bestimmten Stil zu fixieren, sondern viele Sachen auszuprobieren. Die HipHop-Samples kommen von Herzen, ich habe die Produzenten darum gebeten, Samples aus diesem Bereich zu verwenden.
INTRO: HipHop und Jungle gedeihen ja auch vortrefflich miteinander ...
MC DET: Jungle ist ein neues Format für Musik. Jungle ist die Vereinheitlichung aller Musik, ob Rock, Soul, Techno, was immer. Jungle bringt alles zusammen, in einer neuen Form, die wir Jungle nennen.
INTRO: Universal Beat, was wiederum an HipHop erinnert ...
MC DET: Jungle ist von vielen sehr intensiv mit Reggae in Verbindung gebracht worden. Ich glaube, daß gerade in bezug auf die Entwicklung der Vergleich mit HipHop treffender ist. Als HipHop aufkam, haben viele gesagt, daß sei zu künstlich, keine Live-Musik, satanisch ... All das ist auch über Jungle gesagt worden. Die gleichen Leute haben ein kurzes Gedächtnis und sagen heute, die Musik ist schön. Über KOOL FM bekommen wir sehr viele Rückmeldungen von Menschen aus anderen Ländern, die nach London kommen, nach Hause zurückkehren und glücklich sind, etwas mitgenommen zu haben.



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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