Doo Rag

dreschflegel

05.04.1996, 19:55, Text: Autor unbekannt

Dabei gönnt sich zumindest „Prügelknabe“ Thomas Malling privat so gut wie überhaupt keine Musik. Der Mann, dessen umfangreiches Percussion-Sortiment mit solch ungewöhnlichen Accessoires wie Pappkartons, Dosen, Käfigen und Eimern aufwartet, vergnügt sich in seiner freien Zeit viel lieber mit der willkürlichen Manipulation von Tonträgern. „Ich mag es, rumzuexperimentieren, Platten mit der falschen Geschwindigkeit abzuspielen und damit einen völlig neuen Sound zu kreieren. Im Moment stehe ich total auf diese Scheibe ‘Everything You Always Wanted To Hear On The Mojo, But Were Afraid To Ask’ - dieses Teil kommt am besten auf 16 RPM!“
Angesprochen auf das höchst eigenwillige Instrumentarium der beiden, gibt Malling zu verstehen: “Im Grunde verwerten wir alles, was irgendwie gut klingt.

Das meiste davon fliegt halt irgendwo hinterm Haus rum.“ Eine äußerst kreative Form dar Müllverwertung also. Um so erstaunlicher die Tatsache, daß DOO RAG trotz dieses Aufgebots zweckentfremdeter Haushaltsgegenstände selbst live mit einem ungemein vollen, höchst professionellen Sound zu überzeugen wissen und sich vehement von einem ausgelutschten Terminus wie „Lo-Fi“ distanzieren, obwohl sie dafür mit ihrem “Through and Through Selfmade“-Charakter geradezu prädestiniert erscheinen. Dabei lehnen sie lediglich festgefahrene Rock- und Blues-Klischees ab und verweigern sich deshalb auch bezüglich ihrer Instrumente jedweder Norm. “Ich denke, mit der Zeit ist die gesamte Musik immer mehr den Bach runtergegangen, nachdem sämtliche Instrumente nach und nach standardisiert wurden. Sieh’ dir uns an: Der Beat stimmt, das Feeling stimmt - it still rocks! Wer uns hört, würde niemals ohne weiteres darauf schließen, wie dieser Sound zustande kommt.
“ Nicht weiter verwunderlich also, daß Gitarrist Bob Logs Slide-Dobro, die er bevorzugt wie ein tollwütiger Derwisch im Geschwindigkeitsrausch bearbeitet, das einzig herkömmliche Instrument unter einer Vielzahl äußerst skurriler Gerätschaften zu sein scheint. Dazu kreischt Log unablässig wie ein von einer Klapperschlange gebissener Hillbilly in ein gigantisches Megaphon, während Malling abwechselnd ausrangierte Waschschüsseln, Pappkartons oder Bierkästen zu Brei klopft und zur Akzentuierung auch mal auf ein stinknormales Becken eindrischt. Tatsächlich gibt das Duo Speed Metal als einen ihrer Haupteinflüsse an und Rauschebart Rick Rubin rangiert ganz oben auf der Liste möglicher Produzenten. Vorerst jedoch gilt weiterhin: „Do it yourself!“



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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