Kastrierte Philosophen vs The Vision
04.04.1996, 20:33, Text: Autor unbekannt
K: Als ich auf einem Tape zum ersten Mal die Basics hörte, aus denen bei uns später \"Djamilia\" enstanden ist, war für mich klar, daß ich mit dieser Musik - die wir zwar sonst nicht spielen und auch mit der Besetzung, die wir bisher hatten, nicht spielen konnten - arbeiten wollte, also haben wir THE VISION gebeten, uns Riddims zur Verfügung zu stellen, sie haben dann mit denselben Basics weitergearbeitet. Ich kann mir allerdings vorstellen, daß manche Leute nicht mal merken, daß den Songs die gleichen Riddims zugrunde liegen ...
N: Das sind ja schon komplett von Hand eingespielte Sachen, da lebt die Musik von der Atmosphäre, also dem, was Matthias in die Gitarre reinlegt oder Katrin und ich singen.
K: „Sister“ ...
N: ... mit diesem Chor am Anfang, da war ich schon schwer beeindruckt, als ich das zum ersten Mal gehört hab’.
K: Ist ja auch ein fieser Trick.
N: Ja, aber das packt einfach, fand ich schön.
K: Ich habe das Ganze auch als total spannend empfunden. Als ich die fertigen Aufnahmen von THE VISION zum ersten Mal hörte, fand ich es fürchterlich irritierend, weil man jedes Intro in- und auswendig kannte.
N: Ich kann mich aber gut reinfinden in eure Sachen. Vielleicht gerade aus der Distanz, weil unsere Sachen abgeschlossen waren. Es gab ja zwischendurch keinerlei Feedback.
K: Was sich allerdings aus der Situation heraus erst ergeben hat. Eigentlich hatten wir uns vorgenommem, in Kontakt zu bleiben. Nachher fand ich es allerdings ganz gut, daß wir auf Distanz gearbeitet haben. Gerade bei \"Sister ...\" hatte ich anfangs unheimlich Schwierigkeiten, da war ich drauf und dran, dich anzurufen, sogar noch mehr Frauen einzuladen. Ich wollte dieses Thema machen und dachte mir: Okay, dann macht jetzt jede Sängerin, die dir einfällt, eine eigene Strophe. Bis ich dann schlußendlich doch klar hatte, was ich eigentlich wollte.
N: Wir haben dieses Album live eingespielt und wollen es genauso über die Bühne bringen, das sehen wir aber auch als recht luxuriös. Es ist heutzutage einfach ziemlich aufwendig, mit soviel Leuten unterwegs zu sein.
K: Wir spielen überhaupt nicht mehr live, zumindest nicht als KASTRIERTE PHILOSOPHEN. Das Ding stinkt mir irgendwie. Unter dem Namen schleppst du alles Mögliche hinter dir her, außerdem strahlt er so eine gewisse merkwürdige Energie aus, auf die ich einfach keine Lust mehr habe. Da weißt du, ich mach’ jetzt Musik, die mit dem Namen eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun hat, und dann fragt dich jemand, wie deine Band heißt, und du sagst: KASTRIERTE PHILOSOPHEN ... Und denkst dir, dieser Schwanz ist so lang und so alt, das kannn doch nicht wahr sein. Es gab immer wieder Zeiten, in denen man sich damit identifizieren konnte, aber jetzt ist es wirklich durch. Ich möchte den Rücken frei haben und diese Bandgeschichte nicht weiter überstrapazieren. Wenn du dir anguckst, was da alles drinsteckt, von der ersten Maxi bis heute, irgendwann wird das beliebig.
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