Steel Pole Bath Tub

gemeine stahlstangenbadevorhänge-verbiegereien

02.04.1996, 12:06, Text: Autor unbekannt

Dafür, daß Mike so einen Höllenkrach fabriziert, ist er eigentlich ein ganz netter Kerl. Um nicht zu sagen, ein besonders netter Kerl, der aussieht wie ein ewig junggebliebener Collegeboy mit smartem, lausbübischem Grinsen. Aber laß Dich nicht täuschen, hinter dem netten Grinsen verbirgt sich ein Teufel, der es auf Deine Seele abgesehen hat, der zu einem Derwisch wird, sobald er die Bühne betritt. Geräuschterrorist aus Passion!
Obwohl SPBT mit „Scars From Falling Down“ ja nun der Major-Riege angehören, fiel der Besucherstrom in unseren Landen im Vergleich zur 90er Tour oder den Livekrachorgien im restlichen Europa eher dünn aus.

Kein Wunder allerdings, wenn man bedenkt, daß das Album hier erst nach der Tour erschien, obwohl es in Amerika schon seit Mai letzten Jahres raus ist. „Als das Album in den USA veröffentlicht wurde, machte ich einen Phoner mit einem deutschen Musikjournalisten, der mich sofort auf unseren Major-Vertrag ansprach. Auf mein Statement ‘Ja, aber ‘Slash’ ist ein prima Label’ antwortete er sofort: ‘Ja, aber das ist ‘Metronome’ in Deutschland, and they suck!’ Womit er wohl recht behielt, denn wir scheinen ihnen egal zu sein. Überhaupt scheint sich Deutschland bezüglich der Tour-Situation von einem recht offenen zu einem der schwierigsten Orte gewandelt zu haben.“Jetzt wird’s schwierig. Denn ich höre Euch schon sagen: „Mann, Alter, komm hier nicht mit ‘SLAYER sind Nazis’ und so ’nem Scheiß. Das ist doch Pop! Das ist doch völlig überinterpretiert! Das ist doch Strategie! Verstehst du etwa keinen Spaß?“ Doch. Verstehe ich. Nur mit dem Spaß bei SLAYER habe ich Probleme. Aber da das fröhliche Arschloch-Trio mit der Drummer-Variablen ohne jeglichen Zweifel einen wichtigen Beitrag zur Welt der Musik geleistet hat, indem sie Stimme, Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren fieser, härter, trockener und direkter als der Rest benutzten, treffe ich gerne auf Tom Araya, in der vagen Hoffnung, er würde für mich den Kasten öffnen und es würde ein Kobold erscheinen.
Das ist schade, denn „Scars ...“ könnte als das mit Abstand eingängigste Album unserer noisigen Freunde auch andere Schichten von Konsumenten ansprechen. Zwar immer noch fernab von „Noise für Massen“, aber ziemlich gemein eingängig und immer wieder zum Hinhören animierend. „Ja, manchmal ist es ganz nett, Musik zu machen, die man sich anhören kann. Ich werde auch älter“, lacht Mike. „In den College-Radio-Charts waren wir wochenlang Nummer 3. Nur YO LA TENGO waren für uns verdammt noch mal unüberholbar. Sie standen faßt ausschließlich an der Spitze, grrrrrhhh.“ Ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Covern diversester Bands (auf „Lurch“ z. B. befindet sich die beste Version von BLACK SABBATHs „Paranoid“, die die Welt je gehört hat), gingen SPBT diesmal mit CHEAP TRICKs „Surrender“ nach, das sie in der ihnen ureigensten lieblich-krachigen Weise interpretieren.Jetzt wird’s schwierig. Denn ich höre Euch schon sagen: „Mann, Alter, komm hier nicht mit ‘SLAYER sind Nazis’ und so ’nem Scheiß. Das ist doch Pop! Das ist doch völlig überinterpretiert! Das ist doch Strategie! Verstehst du etwa keinen Spaß?“ Doch. Verstehe ich. Nur mit dem Spaß bei SLAYER habe ich Probleme. Aber da das fröhliche Arschloch-Trio mit der Drummer-Variablen ohne jeglichen Zweifel einen wichtigen Beitrag zur Welt der Musik geleistet hat, indem sie Stimme, Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren fieser, härter, trockener und direkter als der Rest benutzten, treffe ich gerne auf Tom Araya, in der vagen Hoffnung, er würde für mich den Kasten öffnen und es würde ein Kobold erscheinen.
Auch in seiner Freizeit fabriziert Mike abgefahrene Sachen, dann mit anderen Projekten und Bands wie dem TUMOR CIRCUS, der aus den beiden verbleibenden STEEL POLEs Darren und Dale sowie Jello Biafra besteht, oder der Ur-Formation von DUH. Und natürlich mit den mächtigen MILK CULT, die so durchgeknalltes Zeug fabrizieren, daß einem fröstelt. „Zwischenzeitlich haben wir mit MILK CULT ein Album in Japan veröffentlicht, das während unserer Tour dort aufgenommen wurde. Hier wirst du das wahrscheinlich nicht finden, es heißt ‘Bruce Lee Marvin Gay’. Demnächst wird MILK CULT noch eins in Marseille aufnehmen. Die französische Regierung fliegt uns für drei Wochen ein und zahlt sämtliche Produktionskosten. Wir werden dort in so einem kulturellen Zentrum aufnehmen. Die Idee ist, ein paar lokale Musiker und Bands zu sampeln. Algerier, Afrikaner und und und. Das wird ein ziemlich lustiger bunter Mix.“Jetzt wird’s schwierig. Denn ich höre Euch schon sagen: „Mann, Alter, komm hier nicht mit ‘SLAYER sind Nazis’ und so ’nem Scheiß. Das ist doch Pop! Das ist doch völlig überinterpretiert! Das ist doch Strategie! Verstehst du etwa keinen Spaß?“ Doch. Verstehe ich. Nur mit dem Spaß bei SLAYER habe ich Probleme. Aber da das fröhliche Arschloch-Trio mit der Drummer-Variablen ohne jeglichen Zweifel einen wichtigen Beitrag zur Welt der Musik geleistet hat, indem sie Stimme, Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren fieser, härter, trockener und direkter als der Rest benutzten, treffe ich gerne auf Tom Araya, in der vagen Hoffnung, er würde für mich den Kasten öffnen und es würde ein Kobold erscheinen.
Für das nächste STEEL POLE-Album haben „wir die Option, uns auszusuchen, wo es hier erscheinen soll, und werden wahrscheinlich eher wieder einen Indie nutzen.“ Was auch zu raten ist, denn die Band ist einfach zu eckig, kantig und unbequem, um in der glattpolierten Chart-Welt mit ihren unzähligen gesichtslosen Megasellern zu existieren.



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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