2PAC
who am i?
28.03.1996, 21:21, Text: Autor unbekannt
I. Die Vorgeschichte
Geboren wurde Tupac Amaru Shakur am 17. Juni 1971 in New York. Sein Vater war vermutlich ein Hustler namens Legs, seine Mutter Afeni Shakur, Mitglied der Black Panther, gehörte zu den \"New York 21\", die seit April 1969 wegen \"Verschwörung\" - angebliche Kaufhausanschläge, Mord, Anstiftung zu Mord und verschiedene andere Delikte - vor Gericht standen. Der Prozeß währte bis Mai 1971 - die 13 verbliebenen Angeklagten (der Rest hatte sich abgesetzt) wurden in allen Punkten freigesprochen. Unter ihnen Afeni, die einen Großteil ihrer Schwangerschaft im Gefängnis verbracht hatte. In dieser Zeit vollzog sich die Spaltung der Black Panther in den gemäßigten, traditionellen Newton-Flügel und einen von Eldridge Cleaver befürworteten militanten Flügel, aus dem die Black Liberation Army hervorging.
Anfang der 70er Jahre versank die Black Panther Party zusehends in die Bedeutungslosigkeit, noch aktive Mitglieder erhielten kaum Unterstützung und mußten sich wie Afeni und Tupac Shakur selbst durchschlagen. Die beiden lebten in bitterer Armut und wechselten zwischen der Bronx und Harlem häufig ihren Unterschlupf. Seit seinem zwölften Lebensjahr hatte TUPAC in Harlem Schauspielerfahrungen gesammelt, so daß er Mitte der 80er mit seiner Mutter nach Baltimore umziehen konnte, um dort die \"School for the Arts\" zu besuchen. (Später spielte er in drei Filmen mit, \"Juice\", \"Poetic Justice\" und \"Above the rim\"). Mit 17 zog er dann nach Marin City, California, um, fand sich auf der Straße wieder und stieg ins Gang- und Drogendealerdasein ein. Dort machte er auch die Bekanntschaft mit Shock-G von DIGITAL UNDERGROUND, wurde Roadie und begleitete sie als Tänzer auf ihren Touren. 1991 schließlich machte sich TUPAC selbständig und produzierte u. a. mit DIGITAL UNDERGROUND-Mitgliedern sein erstes Album.
II. Musik und Mythos
TUPACs künstlerisches Schaffen gehört ohne Zweifel zu dem Komplexesten, was HipHop in den letzten Jahren hervorgebracht hat. In seiner Person vereinigen sich so vermeintlich gegensätzliche Positionen wie N.W.A und PUBLIC ENEMY, Conscious Rap-Themen, vor allem Polizeibrutalität, und Gangsta-Blockgeschichten, wütend, hart und laut. Nicht weit entfernt die sweetness der 70er Jahre Soul-Funk-Grooves, die Frage nach Familienstrukturen, Bezüge zu Personen wie MARVIN GAYE und C. MAYFIELD sowie pure Partylust, verbunden mit dreckigen P-Funk-Grooves des CLINTONschen Imperiums. Bekannt und erfolgreich wurde TUPAC mit sensiblen Stücken wie \"Brenda´s Got A Baby\" (1991), die Geschichte einer jungen Mutter, die an den Verhältnissen scheitert, \"Keep Ya Head Up\" (1993), der Appell an seine Schwestern in der hood, \"Papa´z Song\" (1994), eine Abrechnung mit dem fehlenden Vater, und TUPACs Liebeserklärung an seine \"Dear Mama\" (1995), die allesamt gängige Hooklines aufweisen und musikalisch eher einfach gestrickt sind. Proportional zur Popularität entwickelte sich ein öffentliches und \"juristisches\" Interesse an der Person Tupac Shakurs. 1991 und 1992 fanden erste Prozesse statt, wegen seiner Angriffe auf zwei Polizisten und einen LKW-Fahrer. Beide Anklagen wurden vor Gericht jedoch fallengelassen. Zur Verurteilung, 15 Tage Gefängnis, führte hingegen seine Auseinandersetzung mit den Hughes-Brüdern, die ihn vom Set ihres Filmes \"Menace II Society\" gestrichen hatten. Ein Jahr zuvor, am 14. Juli 1993, war Ronald Ray Howard wegen Polizistenmords zum Tode verurteilt worden. Die Verteidigung hatte argumentiert, ihr Klient habe sich bei der Tat im Wahn unter Einfluß von TUPACs Lied \"Souljah´s Story\" befunden. Damit befand sich der Verfasser ebenfalls ganz oben auf der Liste von C. Delores Tucker und Rev. Calvin Butts und deren Kreuzzug gegen Gewalt in HipHop-Lyrics, besonders gegen Gangster-Raps.
Kurz vor der Veröffentlichung seines bisher erfolgreichsten Albums, \"Me Against The World\" (1995), wurde TUPAC schließlich zu 1 ½ bis 4 ½ Jahren Knast wegen Vergewaltigung verurteilt. Die Ironie mag sein, daß er zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Tat in \"Keep Ya Head Up\" (1993) folgende Aussage traf: \"I wonder why we take from our woman, why we rape our woman, do we hate our woman? I think it´s time to kill for our women, time to heal our women, be real to our women, and if we don´t, we have a race of babies that hate tha ladies that make tha babies and since a man can´t make one, he has no right to tell a woman when and where to create one, so will the real men get up. I know your fed up ladies but keep your head up.\"
1995/1996. Während sich TUPAC in seinen letzten Tagen wähnt, die wildesten Gerüchte über die auf ihn abgefeuerten fünf Kugeln im Quad Recording Studio der Bad Boy/MCA-Posse in New York bis hin zu einem anstehenden East-West-Coast-Krieg kursieren, ereilt ihn unerwartet ritterliche Hilfe aus L.A. Suge Knight von „Death-Row“, ehemaliger Bobyguard mit straßenerprobter Aura, boxt TUPAC mit einer Kaution von 1,4 Millionen Dollar im Oktober 1995 aus dem Gefängnis und verpflichtet ihn für sein Label. Das von diesem in einem Vibe-Interview vom Mai 1995 kurzfristig verworfene \"Thug life\"-Konzept erfährt mit der Zusammenarbeit verschiedener „Death-Row“-Künstler eine neue Belebung. \"All Eyes On Me\" ist, laut TUPAC, sein bestes Album, in dem er seinen ganzen Frust vom Stapel läßt und sich nicht im geringsten um politische Korrektheit kümmert. Mit „Death-Row“ und einer neuen Crew, den OUTLAW IMMORTALES, im Rücken fallen derzeit verschiedene Betrachtungen über Macht, Superpower, auf. So verkündet TUPAC seine Bewunderung für den Golfkriegsmarschall und kurzfristigen Präsidentschaftskanditaten Colin Powell sowie für Louis Farrakhan, dessen Organisation, die Nation of Islam, eigentlich nie sein Ding gewesen ist. Ob Chamäleon oder nicht - moderner Robin Hood im eleganten B-boy-Outfit wie im Video zu \"Brenda Has Got A Baby\", sensibler Homeboy à la \"Dear Mama\"-Maxi-Cover, average Player, politisch versiert mit Nickelbrille und betont schlichtem Khaki, tätowierter Thug im Muskelshirt oder Hustler - ... darf mit \"Ja\" beantwortet werden. Nur daß dieses ganze ernsthafte Identitätsbrimborium mit „Death-Row“ 1996 eben an spielerischer Komponente gewinnt, playalike: \"right before very eyes, you can´t even visualize, you can´t see me ... hahahahah!\" („Can´t See Me\"). Die Ruhe sei ihm von Herzen gegönnt.
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