Der Rock'n'Roll-Reporter

die erlebnisse des ralf m. brunkow

20.03.1996, 12:23, Text: Autor unbekannt

von Tim Jürgens
4. Teil: Manager, Muttern & Manieren
BRAVO forderte ein Foto ihres US-Korrespondenten BRUNKOW gemeinsam mit Filmstar MICHAEL J. FOX an. Dessen Management lehnte die offizielle Anfrage des Journalisten ab: "Fotos vom Star - unmöglich!" Zurück im Hotel, das zufällig auch die Filmcrew beherbergte, wartete der Reporter frustriert, daß sich die Lifttür schloß. "Ein junger Mann sprang im letzten Moment in den Fahrstuhl, entschuldigte sich höflich und lächelte verschmitzt." Es war MICHAEL J. FOX. Als erfahrener Journalist hatte BRUNKOW natürlich eine billige Kamera in der Tasche. "Jetzt oder nie", dachte er. "Ich erläuterte Michael die Situation, und der erklärte sich bereit, das Bild zu machen." Im 14.

Stock wartete die Crew beim Buffet, mit dabei FOX' Manager. "Wir stolzierten am Aufgebot vorbei und machten das Foto. Die Betreuer schäumten ..."
Als äußerst zwielichtige Gestalt hat BRUNKOW den Manager von THE POLICE in Erinnerung: Miles Copeland, Bruder von Drummer Stewart. Im Business für seine kompromißlose Art, Geschäfte zu machen, gefürchtet, erinnert sich der Reporter mit Schrecken an Copeland: "Kalte Augen, arroganter Herrenblick. Seine ganze Art, sein Äußeres erinnerten mich an das Auftreten der SS-Schergen im Dritten Reich."
Einen Manager ganz anderer Art besaß BILLY IDOL, Punk aus bourgeoisem Elternhaus. IDOL hatte bei seiner ersten US-Tournee seine betagte Mutter zur Haushaltsplanung mit dabei. Beim Konzert kam BRUNKOW mit der älteren Dame ins Gespräch und wollte wissen, wie sie mit dem Image ihres Sohnes zurechtkäme. "My little William", bekam er zur Antwort, "hat sich ein bißchen verändert. Trinkt immer so viel Wodka. Ich passe deshalb während der Tournee auf sein Geld auf." Backstage traf der Zeitungsmann auf einen wankenden IDOL, der kaum in der Lage war, seine Mutter zu erkennen. Schuld daran war allerdings nicht der Alkohol, sondern der Verlust seiner Kontaktlinsen. "Ich fragte ihn, ob er kurzsichtig sei, und Billy antwortete, das wäre kein Ausdruck, er sei so gut wie blind. - Die Gläser seiner Brille sahen aus wie Glasbausteine."
Angesichts seines reifen Alters trieben die Stars, um ihre Fans zu narren, auch allerhand Schabernack mit BRUNKOW. KISS setzten dem Journalisten eine schwarze Perücke auf, schminkten sein Gesicht im Stile ihrer Masken und ließen ihn in ihrer Limousine aus der Halle fahren. Die Fans stürmten an den Wagen, BRUNKOW ließ per elektrischem Fensterheber die Scheibe herunter, strich den üppigen Haarschopf in die Stirn und grinste: "Ich bin bloß der Buchhalter." Beim Konzert seines Kumpels DAVID LEE ROTH trällerte der Ex-VAN HALEN den Klassiker "Just A Gigolo". Zwischen den Versen sprach er den Journalisten in der ersten Sitzreihe (In den Staaten sind etwa 90 Prozent der Konzertsäle bestuhlt) an. "Die Mädchen um mich herum verlangten nach dem Konzert Autogramme. Sie hielten mich für Daves Vater."
Die Etikette seines Alters wahrend, entsagte der Reporter stets der saloppen Sprache des amerikanischen Englischs. "Ich bin alte Schule!" konstatiert er. Bei dem jungen Filmsternchen DEMI MOORE machte er mit einem traditionellen Handkuß (Foto) nachhaltig Eindruck. "In Amerika ist so etwas noch weniger üblich als in Europa. Das junge Ding war total perplex, fühlte sich geehrt. Mit dem Erfolg verlor Demi allerdings auch ihren Bezug zur Realität. Schade!"
Auch die Verhaltensweisen des Trinkers IAN GILLAN widersprachen grundlegend diesem Verständnis von Moral. "IAN war immer betrunken und dementprechend verhielt er sich auch." Bei einem Interview ließ sich eine Radiomoderatorin mit dem DEEP PURPLE-Frontmann fotografieren. Blitzschnell zog GILLAN an den Trägern ihres Sommerkleides und riß den Stoff bis zu den Hüften herunter. Halbnackt flüchtete die Journalistin aus dem Blitzlichtgewitter. Der Roadmanager der Hard-Rocker bedauerte GILLANs Verhalten sehr: "Nüchtern ist er ein so feiner Kerl.“ Doch wer bei DEEP PURPLE arbeitet, muß zwangsläufig an die Flasche kommen! Nach der damaligen "Perfect Stranger"-Tour quittierte auch der Roadie seinen Dienst und stellte sich bei den Anonymen Alkoholikern vor. Erinnerungen ganz anderer Art hat BRUNKOW an eine Autofahrt mit DEEP PURPLE zur Konzerthalle. Mit seinem Mustang gliederte man den Journalisten in den Konvoi hinter die schwarzen Limousinen der Band ein. Angeführt durch eine Garde von Motorrad-Polizisten bretterte die Wagenkolonne so über jede rote Ampel in Houston, Texas.

Im letzten Teil der INTRO-Serie "DER ROCK'N’ROLL-REPORTER": Mit Teenie-Idolen unterwegs - "Wiener Schmäh" mit BRYAN ADAMS - MEAT LOAFs Fall und sein Comeback - Was macht der ROCK'N’ROLL-REPORTER heute?



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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