Mark Stewart

kompromißlos zurück ins rampenlicht

17.03.1996, 12:47, Text: Autor unbekannt

Nachdem STEWART 1980 die POP GROUP verließ, begann die Zusammenarbeit mit dem jungen Produzenten Adrian Sherwood. Unterstützt wird er seitdem von den ehemaligen Sugar Hill Gang-Musikern - Keith le Blanc/Schlagzeug, Doug Wimbish/Bass und Skip Mc Donald/Gitarre (wer kennt nicht ihren ersten Hit \"Rappers Delight\"?) -, die als THE MAFFIA ihre Dub-Techniken mit STEWARTs musikalischen Vorstellungen von einem respektlosen Umgang mit Technologie verbinden.
Mit dem dritten Album \"Metatron\" verschwand die Gruppe in Europa von der Bildfläche. \"Nach dem letzten MAFFIA-Album 1990 spielten wir in den Staaten, Japan, Australien und Neuseeland\", erklärt Mark Stewart.

\"Neben dem \"TACKHEAD\"-Projekt halfen wir anderen Leuten bei ihren Produktionen, dann habe ich gerade ein Buch fertiggestellt. Jetzt kehren wir ins Scheinwerferlicht zurück.\"
Die aktuellen Elektronik-Sounds beeinflußten auch seine neue Produktion: \"Neu an ‘Control Data’ sind die Techno-Sounds und Acid-Sequences. Ich bin wirklich begeistert von der Underground Dance-Music und übertrage vieles davon in meinen eigenen Stil aus HipHop-Reggae-Metal-Industrial. Ich habe mich nicht verändert. Mir ist egal, ob die Musik gerade populär ist oder nicht.\" Wirklich typisch geblieben ist der Gesang von MARK STEWART: Zwischen Schreien und Flüstern klingt seine verfremdete Stimme mehr wie ein Instrument. \"Ja, das sagen die Leute seit der POP GROUP zu mir. Ich bin nicht auf natürliche Art und Weise ein Performer. Mich interessieren mehr die Zusammenhänge von Sounds. Für mich hat die Stimme genauso laut zu sein, wenn sie die Gefühle reflektieren soll, die durch die Geräusche und Klänge der MAFFIA ausgelöst werden.\"
Wie radikal betont er als Musiker seine politischen Haltung? \"Für mich gibt es einfach keinen Unterschied zwischen Leben und Politik. Meine politische Idee ist nicht, die eine oder andere Position zu beziehen. Manchmal fühle ich mich zur Hälfte wie ein Journalist und berichte über das, was ich sehe, bzw. reflektiere einfach die Dinge, die mich umgeben.\"
Wieviel politische Dimension selbst ein Love-Song besitzen kann, wird auf dem neuen Album bei \"Forbidden Love\" deutlich: \"Ein Love-Song kann im politischen Sinne Hoffnung vermitteln. Die Grundidee ist, daß zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen, z. B. ein moslemisches Mädchen und ein christlich erzogener Junge, die ihre Liebesbeziehung geheimhalten müssen, weil sie sonst Probleme mit ihren Familien bekommen. Trotz der Schwierigkeiten wird ihre Liebe nicht zerstört.\" Obwohl bei den Aufnahmen zu \"Control Data\" eine Menge Computer eingesetzt wurden, sieht der Mann aus Bristol die ganze Entwicklung durchaus zwiespältig: \"Ich denke, der Computer ist keine liberale Technologie, sondern eine Sklaven-Technologie. Die ganze Hardware ist nicht frei und umsonst. Es werden neue Klassen geschaffen, die nicht die finanziellen Voraussetzungen besitzen, um daran teilzunehmen. Aber wenn ich die ganzen interaktiven Möglichkeiten vom Internet ignorieren würde, dann wäre das so, als würde ich das erste gedruckte Wort ignorieren.\"



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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