Guided By Voices

geben sich die spuren

16.03.1996, 12:03, Text: Autor unbekannt

„You know, Rock died with JERRY LEE LEWIS“, sinniert GBV-Märchenonkel Robert Pollard. Ja ja, guter alter JERRY LEE ... Dabei kann ich mich beim besten Willen nicht daran erinnern, daß der berüchtigte Tastenmalträtierer der 50er und 60er bereits das Zeitliche gesegnet hätte. Aber egal, die Überleitung ist gut: GUIDED BY VOICES und die Memphis-Connection - anno ‘96 aktueller denn je. Es werden wohl die guten Beziehungen zur dortigen Underground Scene gewesen sein, u. a. gemeinsame Projekte mit den seelenverwandten GRIFTERS und nicht zuletzt der Umgang mit Leuten wie Steve Albini oder Kim Deal, welche die selbsternannten „Kings of Lo-Fi“ erstmals veranlaßten, den heimatlichen Kellergewölben zu entsagen und mit den in Memphis gelegenen Easley-Studios eine völlig neue, at least 24spurige Welt ungeahnter Technologie zu betreten.
„Was unseren Sound angeht“, so Pollard, „unterschied sich das Ganze auf Platte bislang völlig von dem, wozu wir live imstande sind.

Auf Tonträger kennt man uns nur in Form dieser ‘Basement-4-Track-Small-Kinda-Things’, live haben wir eher einen wuchtigen Power-Pop-Charakter. Ich denke, daß das neue Album diesem Sound zum ersten Mal wirklich entgegenkommt.“ Aber keine Angst: Befürchtungen, das liebgewonnene roh-melodische Trash-Pop-Fossil GBV wäre einem gesichtslosen Bombastrock-Moloch gewichen, erweisen sich als unbegründet - schließlich klang bereits die 24-Spuren-Version von „Motor Away“ nicht sooo totally different wie das Original, nur ein wenig voluminöser. „Ich denke, es ist immer noch dasselbe Feeling, und wir sind immer noch in der Lage, diese ganz bestimmte Atmosphäre zu vermitteln ... it’s just ... you know ... bigger“, gibt Pollard fast ein wenig verschämt zu verstehen, dabei klingt „bigger“ im Falle von GBV immer noch wie unter Tage eingespielt.
Mit dem Status einer Kult-Band ist man deshalb auch mehr als einverstanden, schließlich stärkt so etwas die Credibility, und who the fuck hätte eine derartige Titulierung mehr verdient als dieser obskure Haufen? „You gotta stay childlike“, interpretiert Pollard die simple Bandphilosophie. Vielleicht erklärt das jenen verzaubernden Charme, der einen typischen GBV-Song ausmacht, möglicherweise auch die Tatsache, warum „Under The Bushes ...“ abermals eine überragende Kollektion merkwürdig schöner Songperlen darstellt, die mit zum Besten gehören, was die Band je veröffentlicht hat.



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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