Seam

chicago’s finest

13.03.1996, 13:05, Text: Autor unbekannt

„Man sollte das Ganze nicht so ernst nehmen, auch wir haben Sinn für Humor. Die Leute stempeln uns gerne voreilig als depressiv ab, ich denke, dem ist nicht unbedingt so. In mancher Hinsicht würde ich unsere Musik sogar als ‘Uplifting’ bezeichnen. Nicht unbedingt im Stil von U2 oder meinetwegen MARVIN GAYE, sondern auf eine feinere, subtilere Art. Ich glaube, es ist von beidem etwas darin enthalten ...“ So scheint SEAMs aktueller Longplayer „Are You Driving Me Crazy“ auch einen Hauch optimistischer ausgefallen zu sein als sein Vorgänger, was allein ein Up-tempo-Stück wie „Petty Thievery“ belegen dürfte.

„Wenn wir jemals etwas Beeindruckendes abgeliefert haben, dann zweifellos unsere letzte CD. Das zweite Album ‘The Problem With Me’ war in seiner Grundstimmung aggressiver, aber selbst unsere aktuelle Platte enthält nach wie vor eine Menge aufgestauter Wut - nur leiser. Du mußt dir nicht unbedingt die Seele aus dem Leib brüllen, wenn dich etwas ankotzt. Die Art und Weise, w i e du etwas von dir gibst, spielt sicher eine Rolle, aber ebenso Worte und Stimmungen. Es gibt wahrscheinlich eine Menge Möglichkeiten, Wut und Enttäuschung auszudrücken, wir versuchen immer, die beste Lösung zu finden.“
Anlaß zu derartigen Verstimmungen geben längst nicht mehr ausschließlich Erfahrungen auf privater Ebene, ihr Ursprung dürfte inzwischen ebenfalls im stetig wachsenden Trugbild amerikanischen Zusammenlebens liegen. Insbesondere die anhaltende Diskriminierung asiatischer und lateinamerikanischer Künstler im US-Musikbusiness empfand Sooyoung - selbst koreanischer Abstammung - als unerträglich und beschloß zusammen mit seinem Bandkollegen William Shin, Eigeninitiative zu ergreifen: Das Ergebnis nennt sich „Ear Of The Dragon“ und bietet erstmals einen umfangreichen Uberblick über das breite Spektrum asiatisch-amerikanischer Acts wie z. B. aMINIATURE, VERSUS oder DAMBUILDERS. „Ich denke, diese Bands bekommen in den Staaten nicht die Beachtung, die ihnen zusteht. Vielmehr werden sie recht argwöhnisch betrachtet, so nach dem Moto: ‘Japanese guys of course can’t play music ...’“ Ein Witz, wenn man bedenkt, daß ein Großteil dieser Bands, allen voran SEAM, mit zum Besten gehört, was der US-Underground momentan hergibt. In den Medien wurde besagte Compilation paradoxerweise überschwenglich abgefeiert und bescherte einem halben Dutzend der beteiligten Bands eine überaus erfolgreiche mehrwöchige Package-Tour quer durch die Staaten - verstehe einer die Amis ...



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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