Party Diktator

so sicher, wie der bär in den wald scheißt

12.03.1996, 20:07, Text: Autor unbekannt

Warum das Album diesmal aber nicht, wie die 7“ zuvor, auf „Amphetamine Reptile“ erschien, erklären mir Sänger Nick und Basser Matthias: „Na ja, die ‘AmRep’-7“ hat fast ein Jahr gedauert, und dann war das Cover nicht das, was wir wollten, und ein falsches Stück auf der B-Seite. Eigentlich war’s in erster Linie eine finanzielle Frage. Wir brauchen immer so lange und waren bereits in Frankreich bei Ian Burgess am Aufnehmen, und noch nichts war geklärt. Außerdem hätten wir wohl den ‘AmRep’-Etat gesprengt, jetzt kommt die Platte eben auf ‘Roadrunner’.“ Wenn da jetzt jemand von Sell-out spricht, ist das totaler Bullshit.

So verzichtet die Band auf einen Teil ihrer Tantiemen, damit der Longplayer entgegen der üblichen Preispolitik für die ersten zwei Monate preiswert angeboten wird. „Am Anfang haben wir auch Vorurteile gehabt, von wegen Metal-Label und so. Aber wir kriegen Support, und die sind für alles offen und wollen keine Metalband aus uns machen. Wir gehen selbst auf Clubtour durch Europa im April/Mai und werden nicht irgendwo im Vorprogramm verheizt. Die haben uns irgendwie schon begriffen.“ Deshalb wird - ebenfalls entgegen der üblichen „Roadrunner“-Politik - „Dive-Bomb“ auf Wunsch der Band auch auf Vinyl erscheinen.
Was solche „Äußerlichkeiten“ angeht, beweisen die Bremer genauso nordischen Eigensinn wie in der inhaltlichen Auseinandersetzung: „Die Band ist zwar in erster Linie generell betroffen, hat aber keinerlei politische Inhalte in ihren Songs“, erklärt Matthias lachend. Nick ergänzt: „Existenzielle Probleme, Zustandsbeschreibungen, die persönliche Apokalypse, eine Art von Eingeschlossenheit und auch die Fähigkeit, damit selbstironisch umzugehen, sind die Themen.“ Die Alternative zum Wahnsinn und das Ventil, das die täglichen Frustationen abbaut, um die Mitmenschen zu schützen, sind der Motor für die sechsjährige Bandhistory. Früh, bereits nach dem ersten 7“-Release, zeigte sich Kult-DJ John Peel derart begeistert, daß er die Band für eine Radiosession nach London einlud. Drei weitere 7“es, ein Longplayer und diverse Samplerbeiträge folgten. Und jede Menge Liveshows. „Und wenn die Leute abfahren und du in ihren Gesichtern etwas erkennst, was du auch fühlst, das ist dann das Ding.“ Und PARTY DIKTATOR haben so verdammt viel Seele, ich kann es kaum aushalten. Und das ist so sicher, wie der Bär in den Wald scheißt.



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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