Anti-Nowhere League

bzw. der Stolz zu stagnieren

11.03.1996, 16:26, Text: Autor unbekannt

Seinerzeit schon dabei war Bassist Winston, mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung, ebenso Sänger Animal und Gitarrist Magoo, neu dagegen sind ein junger Schlagwerker und ein zweiter Gitarrist, von wegen mehr Druck von der Bühne, auf der sich die Band nach wie vor gerne herumtreibt. \"Recording is boring, klar sind wir ‘ne Live-Band!\" sagt Winston und beginnt begeistert von der USA-Tour zu erzählen, die die Band im Herbst letzten Jahres absolvierte: Grob 1.000 Leute pro Nacht und voll gut angekommen - aber nach vier Wochen war's dann doch zu anstrengend, schließlich sind die Brit-Punx nicht mehr die Jüngsten, eher schon Ende 30 oder so.

Zu Hause, irgendwo in Kent, unweit von Hastings (die entscheidende Schlacht: Angelsachsen gegen Normannen 1066), haben sie alle ihre eigenen Betriebe und verdienen den Zaster als Dachdecker, Mechaniker und Drucker. Auf der Insel waren und sind die Burschen aber immer wieder live zu sehen, is’ ja kein Problem - so am Wochenende mal schnell mit dem Moped nach Schottland, auftreten, volltrinken, ausschlafen & zurück!!!
Winston erzählt, daß sich die ANTI-NOWHERE LEAGUE immer als eine Art Bruderschaft (brotherhood) oder Gang begriff. Eine Rockergang, die bei Bedarf die Karren aus dem Schuppen schiebt, die Verstärker aufbaut und losmölmt. \"Wir sind praktisch ‘ne Garagen-Band, die good-energy-music spielt!\" Und diese Energie ziehen die Jungs daraus, daß sie leidlich angepißt sind von den vermeintlichen Zwängen eines Normalo-Lebens, was auch ihr Name deutlich widerspiegelt: \"Die meisten Leute gehen doch ins Nirgendwo (NOWHERE)! Ich mein’ so Reihenhaus, Opel Manta, 1,4 Kinder und Suff aus Frust. Dagegen (ANTI) sind und waren wir immer. Deshalb ... ANTI-NOWHERE LEAGUE!!!\"
So oder ähnlich sah's die letzten zehn Jahre aus. Davor lag das 1984er Album \"The Perfect Crime\", welches gemeinhin als lausiges Wave-Album bezeichnet werden kann. \"Wir waren unter Vertrag bei ‘GWR’, die auch MOTÖRHEAD hatten und so. Die hatten fett investiert und wollten ein poppigeres, kommerzielleres Album. Hey, jede vernünftige Band hat ein Scheiß-Album in ihrer Geschichte - was soll's!! Heute wissen wir, daß es der falsche Schritt war.\" Und wer sich die vier Songs der Mitte April erscheinenden Single \"Pig - Iron\" anhört, der kriegt es von der LEAGUE so auf die Ohren wie in guten alten Zeiten, und ich kann Winston wahrlich durch die Leitung grinsen sehen: \"Wir haben uns eigentlich gar nicht weiterentwickelt - und sind stolz darauf!\"



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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