Face Down

slaytallica, nix maschinenkopp!

26.02.1996, 15:43, Text: Autor unbekannt

Fragen wir Herrn Joacim Carlsson, den Gitarristen der Band. \"Ob wir Quincy-Fans sind? Nö, kann man eigentlich nicht sagen. Wieso?\" - Nur so. Und sonst? - \"Ach Gott, man schlägt sich so durch.\" - Kein Wunder, soll das Leben in Stockholms Gassen doch eines der härtesten sein. Wie fühlt man sich so als die schwedische Antwort auf MACHINE HEAD? - \"Jetzt fängst du auch noch an! Ich verstehe gar nicht, was die Leute haben. Als wir zu proben begannen, hießen wir MACHINE GOD. Als kurze Zeit später ‘Burn My Eyes’, das MACHINE HEAD-Debüt, erschien, haben wir uns umbenannt, um nicht sofort mit denen in einen Topf geworfen zu werden. Und was hat es uns genützt?\" Da hatte ich also gleich einen wunden Punkt erwischt.

Dabei war es doch reine Polemik, die mich trieb, denn ich sehe den SLAYER-/METALLICA-Einfluß viel gravierender. Zwar ist alles zeitgemäß auf den Punkt geprügelt, doch verschanzt man sich weder hinter bösen Blicken noch hat man Stockholm-Tättuhs überm Bauchnabel, um den Kiddies das zu bieten, was sie wollen ... \"Wir schreiben nicht über das harte Leben auf der Straße, weil wir es so nicht kennen und auch gar nicht kennen wollen. Wir kommen alle aus der alten Thrash-/Deathmetal-Ecke. Mit Hardcore oder Crossover haben wir schon gar nichts am Hut (Wer schon? A. d. V.). Unser neuer Schlagzeuger war früher bei MERCILESS, zwei andere bei AFFLICTED - das sind unsere Roots.\" Was den Sound der Band aus der Flut der neuen Thrash-Welle hervorhebt, ist neben den fest eingebauten Samples vor allem der immer wiederkehrende Hang zu \"Knüppel aus dem Sack\"-Passagen. Hier wird nicht, wie so häufig im 90er-Thrash-Gewand, stumpf der groovy und hüpffreundliche Midtempostampfer - zwar mit Pausen, aber letztendlich auf 60 Minuten - ausgewalzt, sondern echte Abwechslung durch variierende Tempi und beinahe anachronistische Hooks geboten.
Eine Tugend, die sich auf den wenigen Livekonzerten der Band in und um Stockholm bewährt hat. \"Wir haben überhaupt erst zehn Konzerte gegeben, da man bei uns nicht so häufig spielen kann. Wir hoffen aber, so bald wie möglich auf Tour zu gehen, vor allem außerhalb Schwedens. Vielleicht klappt es ja, daß wir mit NAPALM DEATH und CROWBAR durch Europa tingeln können.\" Wenn es klappen sollte, hin da! Wer weiß, wann sich wieder die Chance bietet, zwei Prügelbands auf Tour zu erleben, die es geschafft haben, den Brückenschlag zwischen Erotik und Technik so eindrucksvoll zu bewältigen? Eben.



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aus Intro #32 (März 1996)
 
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