Pat Thomas

sturm und drang

19.02.1996, 19:32, Text: Autor unbekannt

So werden Mythen geboren! Pats neues Album ist jedoch weniger mythisch denn ganz schön down to earth: \"Ich wurde sehr von BOB DYLANs ‘Basement Tapes’ inspiriert. Ich bekam glücklicherweise ein ‘Basement Tapes’-Outtake mit fünf Stunden unveröffentlichter Tracks. Darunter ‘Get Your Rocks Off’, die Cover-Version von der Bonus-CD. ‘Fresh’ ist eine Ansammlung von Songs, die 'vor Ort' geschrieben wurden. Die eine Hälfte wurde in Berlin, die andere in San Francisco aufgenommen, jeweils mit ein paar Freunden, die ich einlud, um mal zu sehen, was sie beizutragen hätten.\"
Diesen \"Freunden\" (u. a. STEVE WYNN, SONYA HUNTER, CHRIS CACAVAS, PAT JOHNSON und GARY FLOYD) ließ er freie Hand, denn \"Ich wäre nie daran interessiert, mit jemand zusammenzuarbeiten, der immerzu dasselbe spielt.\" Und das kommt dem Sound des Albums zugute, denn der ist eben - fresh.

Und rauher als man es bisher gewohnt war, ungeschliffen und schmutzig. Das unmittelbare Vorgehen wirkt sich auch auf die Songs aus, die z. T. ein wenig unfertig wirken. Manchmal finden sich nur Skizzen, Eindrücke, festgehaltene Ideen: \"Ich glaube nicht, daß jeder Song ein Meisterwerk sein muß. Manche Songs sollten bloß Füllstücke zwischen längeren, intensiveren sein. Andere hingegen, wie ‘What's That Trip’, sind reine Jam-Sessions, die wir in einem Take aufgenommen haben.\" Keine Kompromisse macht PAT THOMAS, der seine Song-Ideen gleich auf Tape singt, hingegen bei seinen Texten, die zuweilen ganz schön bissig und subversiv, aber auch witzig sind: \"Klar, ich mag einen guten Lacher. Ich denke zwar nicht, daß ich ein Dichter bin, aber viele meiner Songs sind über Leute, die ich kenne oder von denen ich beeinflußt wurde. Wie in Kerouacs Büchern. Ich halte es mit William Burroughs Philosophie: Triff die Leute mit dem, wovon du was verstehst, und versuch nicht, dir Sachen auszudenken, von denen du keine Ahnung hast.\" Diese Aufrichtigkeit schlägt sich auch in Pats dringlichem, gepreßten Sprechgesang nieder: \"Dieses Feeling habe ich von der Beat-Generation. Wie es in einem meiner älteren Songs heißt: 'Ich habe keine Eile zu sterben, aber zu leben'.\"
Auch live möchte Pat diese Stimmung vermitteln, so wird er auf der anstehenden Tour kaum akustisches, dafür aber viel neues Material mit dem notwendigen Sturm & Drang präsentieren. Und das, obwohl er die Raucher in Deutschlands Clubs gar nicht mag: \"Ich kann kaum atmen, wenn ich in einen Club oder eine Bar gehe!\"



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aus Intro #32 (März 1996)
 
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