Rich Hopkins

oldfashioned shooting star

24.01.1996, 16:45, Text: Autor unbekannt

\"Jenseits der 30 will man nicht mehr den Rock’n’Roll revolutionieren, sondern das tun, was einem am meisten Spaß macht.\" Deshalb schreibt RICH HOPKINS seine Songs bevorzugt mit den strapazierten Akkorden a-moll, d-dur und e-moll. In ihnen spiegele sich am ehesten die Melancholie seiner Seele wider, und darum werden sie für ihn auch nach dem millionsten Gebrauch nicht langweilig. Nicht nur deshalb könnte er der kleine Bruder von NEIL YOUNG sein. Im grünen Baumwollhemd nuckelt er am Bier, sagt schüchtern den nächsten Song an und rockt ab, was das Zeug hält. Seine sonore Stimme legt sich wie ein schwerer Schatten über die brutzelnden Fuzzgitarren.

Sein erstes Album \"Dirt Town\" ist gekennzeichnet von psychedelischen Elementen der Hippie-Ära, als deren Platzhalter er den ANIMALS-Klassiker \"When I Was Young\" covert. Zu seinen Einflüsse: \"Ich liebe die BYRDS, FREE und HENDRIX.\" Von wegen Innovation, HOPKINS arbeitet die amerikanische Rockkultur auf. Der Opener des neuen Albums \"Dumpster Of Love\" (Enemy rec.), \"Shooting Star\", könnte genauso aus der Feder eines JEFF BECK oder NILS LOFGREN stammen. Überhaupt setzt sich das zweite Werk des Ex-Frontmanns der SAND RUBIES respektive SIDEWINDERS und UNDERBELLY durch seine konsequente Verwertung traditioneller Westcoastrock-Schemata vom Debüt ab. Sein Songwriting ist gradlinig, zuweilen unspektakulär. Anders als der verstaubte Charme der Kollegen von GIANT SAND und DREAM SYNDICATE sind HOPKINS’ Arrangements häufiger feistes Geklotze als sensible Rockmosaike.
Seine Musiker wählt der Familienvater rein nach Gefühl aus, und genau wegen seines Hangs zu familiären Beziehungen hat der \"Desert Rocker\" sein eigenes Label gegründet. Bei \"San Jaquinto Records\" sind befreundete Bands, die über die Dörfer Arizonas tingeln, um von Country Rock statt von der Sozialhilfe zu leben. Nicht aus kommerzieller Ambition betreibe HOPKINS seine Firma, sondern weil \"es ja einer veröffentlichen muß.\"
Das Herzstück seines aktuellen Albums heißt \"Time Waits For No One\". Ein elegisches Grübeln über das Altern, wunderschön schlicht in Szene gesetzt durch Piano, Violine und Gitarre. Hier zeigt sich der zerbrechliche Melancholiker, als den sich der leidenschaftliche Rocker auch selbst bezeichnet. Kein Genie, aber ein Musiker mit Leib und Seele, dem auch mit 38 eine schräge Moll-Akkordfolge noch Tränen der Gerührtheit in die Augen treibt. Kein Rock’n’Roll-Hero, bloß ein grundehrlicher Recycler niemals altmodischer, monumentaler Drei-Akkord-Harmonien!



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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