God Lives Underwater

gott lebt im computer

23.01.1996, 15:38, Text: Autor unbekannt

Eine Band, die das Wunder vollbracht hat, Rick Rubin, seines Zeichens Sonnenkönig des \"American Recording\"-Imperiums, ein Demotape zu schicken, welches dieser stante pede, will meinen, ohne einmal Hand anzulegen, der geneigten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, muß irgend etwas haben, was andere Musiker nicht haben. Kurz in sich gehend wissen Jeff Turzo und David Reilly, Köpfe des Quasi-Duos, das mit \"Lonely Again\" bereits vor Veröffentlichung seines Debüt-Albums einen respektablen Clubhit vorlegte, jedoch auch nicht mehr als ein nur wenig überzeugendes \"Ging schneller und war billiger\" zu murmeln. Wer sie im Vorprogramm von FILTER bewundern konnte, wird sich mir anschließen, wenn ich behaupte, daß es das allein nicht gewesen sein kann.

GOD LIVES UNDERWATER sind, wie viele Musiker ihrer Generation (alle Bandmitglieder sind Anfang 20), mit dem Computer als Kommunikations- und Ausdrucksmittel aufgewachsen, das allein unterscheidet sie genausowenig wie die mittlerweile eher unspektakuläre Mixtur aus gemäßigten Technosounds, Grungemelodien und Metalgitarren von anderen musizierenden Altersgenossen.
Was sie tatsächlich aus der gesichtslosen Masse derer, die sowohl mit Rave als auch mit Rock aufgewachsen sind, heraushebt, ist ihr feines Gespür für Melodien. Tief im Herzen sind GOD LIVES UNDERWATER eine reinrassige Popband, so ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn die beiden - für ihren Jahrgang recht ungewöhnlich - als Haupteinfluß DEPECHE MODE angeben. Um deren Gespür für Ohrwürmer zu erreichen, werden sie allerdings garantiert noch ein, zwei Jahre brauchen, die man ihnen aufgrund eines Albums, das zwar als ganzes wohl niemanden vom Hocker reißt, zwischendurch allerdings immer wieder durch hübsche Songideen zu glänzen weiß, ruhigen Gewissens zugestehen sollte. Wenn sich ihr giftig durch die scharfzüngigen Texte schlängelnder Sarkasmus mit der Zeit auch in den Kompositionen niederschlagen sollte, so sind GLU mit Sicherheit noch für die eine oder andere positive Uberraschung gut.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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