Telstar Ponies

eine kurze geschichte der zeit

18.01.1996, 13:59, Text: Autor unbekannt

Angereichert mit ordentlich viel Effekten ergibt das dann die minutenlangen, klaustrophobischen Klangteppiche, die dem Debütwerk \"In The Space Of A Few Minutes\" Vergleiche mit YO LA TENGO oder SONIC YOUTH eingebracht haben, aber auch den Space-Sound-Ambitionen der Bristoler FLYING SAUCER ATTACK verdammt nah sind. FSA ist denn auch eine der wenigen derzeitigen britischen Bands, die für Keenan einen - wenn auch nur geringen - Bezugspunkt bildet: \"Mit FSA verbindet uns, daß wir auch primär daran interessiert sind, wie die Sounds entstehen. Der Entstehungsprozeß kann viel wichtiger als der fertige Song sein. Wir benutzen viele Effekte, die durch spontane Eingriffe immer wieder zu eigenen Instrumenten werden - da bleibt viel Platz für Zufälle und Geheimnisse.\"
Spricht's und fängt wie auf Kommando an, seine Credits an deutsche Krautrocker zu vergeben: AMMON DÜÜL, POPOL VUH, ASH RA TEMPLE, CLUSTER ...

Ob wir als Deutsche nicht mächtig stolz darauf seien (kosmische Pioniere und so ...)? Wieder mal ein Beispiel dafür, daß die Bedeutung von Krautrock für ausländische Bands wesentlich größer zu sein scheint als für unser eigenes, nationales Musikbewußtsein.
Allerdings bleiben die TELSTAR PONIES trotz dieser Gedankenverwandtschaft von monumentaler Selbstvernebelung verschont, die man bei der Masse an Kosmos- und Mondscheinverweisen erwarten könnte - keine diffusen Songs, sondern klare, repetitive Strukturen. Statt dessen wird das Prinzip \"Unschärfe\" in der Dimension \"Zeit\" weitergedacht. Das meint nicht nur die scheinbar ewiglangen Klangmuster, sondern auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema \"Zeit\". \"To be now\" heißt das in der Sprache der TELSTAR PONIES, zusammen mit dem im Albumtitel erwähnten \"innerhalb weniger Minuten\". Dabei geht es um die Zusammenführung der zwei Aspekte von \"Zeit\", von Moment und Dauer: \"Einmal sehe ich die Musik als eine Momentaufnahme, ein Einfrieren des Augenblicks im Studio, aber gleichzeitig reicht sie in die Zukunft und in die Vergangenheit. Es geht um Fragmente, Erinnerungen aus der eigenen Kindheit, die so wieder zur Gegenwart gemacht werden.\"



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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