Hybrid Children

surfer am polarkreis

14.01.1996, 10:38, Text: Autor unbekannt

Nicht erst seitdem WALTARI mit ihrem überdreht positiven Stilmischmasch die Gehirnwindungen durcheinanderwirbeln, sollte klar sein, daß Finnland eine Brutstätte für musikalisch ernstzunehmende Bands ist, gleichzeitig aber auch, daß die Nordlichter ein ungemein fröhliches Völkchen sein müssen. Gerade um den nördlichen Polarkreis scheinen Einöde und Tristesse trotz permanenter Gegenwart Fremdwörter zu sein. Spaß ist angesagt, vor allem wohl daraus resultierend, daß man sich selbst nicht ganz so ernst nimmt.
Von einer gewöhnlichen Band kann deshalb im Falle der HYBRID CHILDREN auch nicht die Rede sein. Ungewöhnlich für eine \"Surf-Punk-Combo\" scheint mir allein schon das Auftreten des Quartetts.

Nicht klischeegerecht gebügelte Kurzhaarschnitte, sondern lange Matten, weit über die Schulterblätter hinaus, bestimmen mit Ausnahme von Schlagzeuger Kelly das Erscheinungsbild. Die Winter in Skandinavien sind hart und vor allem ausdauernd, augenscheinlich muß man etwas zum Schutze der Ohren tun. Sänger und Gitarrist Jasse klärte mich über die wahren Gründe der Haarpracht auf: \"Ursprünglich wollten wir irgendetwas in Richtung Thrash- und Speedmetal machen. Zu unserem Leidwesen mußten wir aber feststellen, daß wir einfach nicht schnell genug spielen können, um dieser Art Musik zu frönen, deshalb haben wir auf Punkrock umgesattelt.\"
Im ersten Moment scheint der Sprung zwar etwas abnorm, führt man sich aber die melodiösen, zuweilen hymnenhaften Kompositionen ihres Erstlings \"Honeymoon In Babylon\" zu Gemüte, wird man von der Berechtigung dieses Schrittes überzeugt. Daß der Band dabei das Gebot der Stunde zugute kommt, auf einer Welle der Sympathie mitzuschwimmen, die diesem Musikgenre derzeit zuteil wird, ist laut eigener Aussage ein überaus positiver Nebeneffekt. Als Trittbettfahrer auf den Wagons der GREEN DAYs dieser Tage sieht man sich aber dennoch nicht, denn schließlich existiert die Band in dieser Form schon seit 1991. Darüber hinaus wird sie den vorgegebenen Standards mehr als gerecht.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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