Harmful
der kleine ohramputationsalmanach
09.01.1996, 19:12, Text: Autor unbekannt
„Was bringt es mir, wenn meine Oma sagt, daß sie die Musik mag, da sie sie nicht störe und sie sich dabei unterhalten könne? Ich will keine Musik zum Nebenbeihören machen. HARMFUL ist so intensiv, daß man sich ausführlich damit beschäftigen muß, um auch nur ansatzweise zu verstehen, worum es geht. Ich glaube nicht, daß es jemanden gibt, der imstande ist, die gesamte Platte am Stück zu hören, ich meine, sich mit ihr zu befassen, ohne daß Ermüdungserscheinungen auftreten. Sollte es doch jemanden geben, dann möchte ich den kennenlernen, denn er muß mein Zwillingsbruder sein.“
Aren bringt es auf den Punkt. Wer glaubt, die selbstbetitelte Debütscheibe ganz gut nebenbei hören zu können, während er liest, fernsieht oder onaniert, wird sehr schnell merken, daß gewisse Konzentrationsmängel auftreten und er schließlich eine der Tätigkeiten zugunsten der anderen unterbrechen muß.
Aren ist HARMFUL, und HARMFUL ist Aren. Der Gitarrist und Sänger schreibt alle Texte, ist für die Musik verantwortlich und läßt keinen Zweifel daran, daß er sein Ding durchzieht und sich da nicht reinreden läßt. „HARMFUL ist mein Kind. Oder anders ausgedrückt: Ich bin die Wurzel, und die anderen beiden sind die Blüten, die von mir angesteckt werden und erblühen.“ Aber: „Wenn einer der anderen aussteigt, bedeutet das das Ende für die Band. Wir sind wie Brüder.“ Und live eingespielt wie eine gutgeölte Maschine. Die unglaublich präzisen Fließbandrhythmen des Schlagzeugs bilden die Grundlage und das Gerüst, aus dem Bass und Gitarre immer wieder ausbrechen, um in Ekstase wieder heimzukehren und den Song als solchen zu definieren. Musik nahe an der Grenze zur Unhörbarkeit, ja zur Unerträglichkeit, wie der Blick vom Dach eines Wolkenkratzers Sekunden vor dem Absprung. Einmalig, exzessiv und einfach nur gnadenlos. HARMFUL.
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