menschen mit innovativen ideen

Christian Death

07.01.1996, 19:50, Text: Autor unbekannt

Zugegeben, Menschen mit innovativen Ideen sind rar geworden, man bemerkt sie kaum. Valor ist so einer, und ich schätze, zumindest der Papst hat ihn längst auf seiner schwarzen Liste stehen. Dabei kritisiert er weder die Bibel noch den Koran etc. Ihn belastet, was die jeweiligen Führer und Angestellten machen. Gut eine halbe Stunde spricht er über Cortés und die Vernichtung des Azteken-Reichs, die Macht der Kirchen im Mittelalter und heute. Er ist in einem seiner Elemente, kritisiert wissend und alles andere als blind. Dabei stellt manch einer den Künstler nur allzugern als eben jenen, eingangs beschriebenen, perversen Typen hin. Weit gefehlt.
Zur Musik von CHRISTIAN DEATH mag man stehen, wie man will, die Indie-Szene der Achtziger und Neunziger haben Valor und einstmalige Mitstreiter wie Rozz Williams, Gitane Demone und David Glass eindeutig geprägt.

Betrachtet man allein die USA, so gibt es vermutlich keine Gothic-Band, die nicht mindestens ein ehemaliges CHRISTIAN DEATH-Mitglied in ihren Reihen hat bzw. deutlich geprägte Alben veröffentlicht. Dabei waren CHRISTIAN DEATH bereits existent, als der Gothic-Sound noch nicht einmal in der Wiege zu schreien pflegte, weshalb Valor selbst nicht viel von einer Schubladenzuweisung hält. \"Es ist\", sagt er, \"eigentlich nur die Art und Weise, wie wir uns kleiden. Man bedenke: Der Gothic-Begriff trat um 1986/87 in Erscheinung - eine Zeit also, zu der CHRISTIAN DEATH längst bestand. ... Es ist ohnehin nie mein Ding gewesen, Bestandteil einer bestimmten Stilrichtung zu sein. Jedes Album sollte anders sein.\" Irgendwie hat er genau das vollbracht.
Alles zu lieben und nachzuvollziehen, Valor kann es nicht erwarten. Kehrt man zu den Anfängen zurück, so sieht man Valor, Gitane Demone und David Glass als POMPEII 99 eine Party geben, zu der auch Rozz Williams eingeladen wird. CHRISTIAN DEATH, Williams’ Band, hat sich zwischenzeitlich aufgelöst, und man beschließt, den Namen zu übernehmen. \"Catastrophe Ballet\" ist das erste Resultat der Fusion, ein avantgardistisch homoerotisches Werk, dem \"Ashes\" und der Ausstieg von Rozz Williams folgen. \"The Scriptures\" (1988) gestaltet sich im Anschluß an das finstere \"Atrocities\" deutlich experimenteller, bevor Valor nach \"Sex, Drugs & Jesus Christ\" härtere Töne erklingen läßt.
\"Ich habe mich\", geht er hierauf ein, \"mit einem neuen Sound beschäftigt, da mich anderes zu langweilen begann. Es geschieht sehr schnell, daß alte Arbeiten mich langweilen. Die Vergangenheit ist vorbei, und ich mag nicht ständig zurückblicken. Daß die Musik seither vor allem durch Metal geprägt wurde, ist für mich nicht so schwer nachzuvollziehen wie für andere, da ich praktisch mit Metal aufgewachsen bin.\" In Kürze soll ein weiteres Album erscheinen, für das Valor ein neues Erscheinungsbild ankündigt: \"Die Songs sind tanzbarer und tempobetonter, enthalten jedoch auch ruhige und atmosphärische Momente. Im Gegensatz zu ‘Sexy Death God’ soll das neue Album vor allem in Ruhe entstehen. Die Plattenfirma hat damals sehr viel Druck auf mich ausgeübt und gab mir nicht die Möglichkeit, mein eigenes Ding zu drehen. Ich bin sehr unzufrieden gewesen mit der Veröffentlichung und war froh, die Songs für das Live-Album ‘Amen’ so einspielen zu können, wie ich sie mir vorgestellt habe.\"



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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