Sepultura

studioreport

02.01.1996, 21:02, Text: Autor unbekannt

'Clan' deshalb, weil die Gesellschaftsstruktur von SEPULTURA längst den Rahmen des herkömmlichen Bandgedankens sprengt. So wie die Geschwister Cavalera & Co vom allzuguten Leben beständig in die Breite getrieben werden, so nimmt auch der familiäre Anhang beständig zu. Wo sich die (Exil-)Brasilianer aufhalten, herrscht ein Bilderbuch-Chaos aus Schminkutensilien, Kifferkram und dem Neuesten, was 'Toys'r'us' so anzubieten hat. Dazwischen redet, brabbelt, schreit, läuft, krabbelt und rennt vom Säugling bis zur Großmutter alles herum, was zu einer amtlichen Großfamilie gehört. Für die Band ist es wichtig, die Angehörigen dabeizuhaben, denn wo sie sind, ist Zuhause, ...

und zu Hause läßt sich’s am besten arbeiten.
Nachdem man der versammelten Journalistentroika - zwischen Mighty Power Rangers und Bong - zwei (!) Songs vorspielte, bekam jeder seinen Interviewpartner, meine Wenigkeit Drummer Igor Cavalera, der auf meine erste Frage, wie man denn ausgerechnet auf Robinson als Reglerschieber gekommen sei, natürlich in erster Linie auf die hervorragende Arbeit, die der Mann für KORN geleistet habe, verwies. Wichtig sei aber auch gewesen, daß Ross gerade mal 25 Lenze jung und damit genau in ihrem Alter sei und ihnen in vielen Dingen sicher aus der Seele sprechen würde. 'Lustigerweise ist das Equipment im Studio mindestens genauso bis doppelt so alt wie Ross selbst. Der Drumteppich, auf dem ich gespielt habe, stammt aus den Abbey Road Studios, auf dem hat schon John Bonham, evtl. sogar Ringo getrommelt. Unserem Sound hat es seht gutgetan, mit diesen Geräten zu arbeiten. Da wir nahezu alle Takes, bis auf den Gesang und die Soloparts, live eingespielt haben, ist er außerdem um einiges direkter, nicht nur rougher, auch wärmer geworden.' Was dazu führt, daß man sich wieder von den Industrial-beeinflußten Klängen des 'Chaos A. D.'-Albums entfernt hat. Durch den natürlicheren Sound kommt man dem Vorhaben, bei vielen Stücken verstärkt mit Percussion zu arbeiten, stark entgegen. 'Ich habe zwar im Studio schon sehr percussiv gearbeitet, aber einen Teil der Songs werden wir in Brasilien gemeinsam mit den XAVANTE aufnehmen.' Die Trommelkünste der Indiguenas nahm bereits STING in Anspruch, für SEPULTURA allerdings präsentieren sie, genau wie der ebenfalls am Album beteiligte farbige Percussionist Carlinhos Brown, einen wichtigen Teil ihrer Kultur. Es ist fast schon eine Tradition der Band, auf jedem Album nicht nur Gäste mitspielen, sondern auch aktiv am Songwriting teilnehmen zu lassen. So ist auch Mike Pattons plötzlicher Auftritt im Hotel nicht weiter verwunderlich. „Mike ist hier, um mit uns gemeinsam einen Song aufzunehmen, für den er den Text verfaßt hat. ‘Mine’ ist ein ziemlich abgedrehtes Ding, über Gütertrennung in der Ehe, ein Stück, wie es eigentlich nur aus Mikes Feder stammen kann. Er macht noch auf einem anderen Stück mit, gemeinsam mit DJ Lethal von HOUSE OF PAIN und KORNs Jonathan Davis.' Das Stück heißt 'Lookaway', ist eine waschechte Antisexismus-Hymne und wird im Gegensatz zu 'Mine' (nur als Bonustrack einer Singleauskopplung) auch auf dem Album 'Roots' zu hören sein, zu dem uns Gitarrist Andreas Kisser im nächsten INTRO mehr erzählen wird.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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