Der Rock'n'Roll Reporter

die erlebnisse des RALF M. BRUNKOW

01.01.1996, 11:27, Text: Autor unbekannt

"Come on, old man, I'll feed ya", schnauzte das britische Urgestein aus Newcastle on Tine, Brian Johnson, mit seiner unnachahmlichen Reibeisenstimme den Rock’n’Roll-Reporter an. Es war dessen erstes Aufeinandertreffen mit AC/DC. Anschließend zog der Frontmann den inzwischen 60jährigen RALF "Ducky" BRUNKOW zu sich auf den Schoß und stopfte ihm unvermittelt mit zwei Chop-Sticks ein Stückchen Sushi in den Mund.
Kurz zuvor hatte BRUNKOWs Fotografin eine unappetitliche Erfahrung mit den Fans der eigentlich aus Australien stammenden Hard Rocker gemacht. Die hatten nämlich den Orchestergraben vor der Bühne als Pissrinne benutzt, und dabei war die eifrige Fotografin in die Schußlinie geraten.

"Eine furchbare Geschichte für das junge Ding." Ganz anders als die prolligen Headbanger-Fans in den vorderen Reihen der Konzerte beschreibt der Journalist den auf der Bühne seit mehr als 20 Jahren den wilden Mann mimenden Angus Young. Privat sei dieser stets einer der zurückhaltendsten und gleichzeitig intelligentesten Musiker gewesen, die BRUNKOW je getroffen habe. Dessen Ehefrau verriet dem Journalisten während eines Auftritts von AC/DC, wie sehr sie hoffe, daß die Band es drangeben würde, bevor es für Angus und sie zu spät sei, noch Kinder zu gebären. Angus Young, ganz umsorgter Familienvater, wolle keinen Nachwuchs, solange er als ewiger Schuljunge verkleidet über die Showbühnen der Welt watschele.
Auf ähnlich "normale", ganz und gar nicht rockstargemäße Manierismen stieß BRUNKOW bei JOHN MELLENCAMP. Bei der Veröffentlichung seines ersten Albums "American Fool" ließ der sich widerspruchslos von seinem Label den deutlich griffigeren Namen "COUGAR" ans Revers heften. Beim Interview darauf angesprochen, ließ der Farmerrocker seinem Unmut über die Entscheidung der Plattenfirma freien Lauf. BRUNKOW stachelte den Musiker an, die "Mercury" im Zuge seines Erfolges mit "Jack & Diane" ab sofort mit einer Richtigstellung seines Namens zu konfrontieren. MELLENCAMP versprach, darüber nachzudenken. Beim nächsten Treffen bedankte er sich artig bei seinem Freund "Ducky", der ihm geholfen habe, seinen tatsächlichen Namen wiederzubekommen. Sein zweites Album war gerade erschienen. Titel: "JOHN COUGAR MELLENCAMP". Von da an habe sich der engagierte Rocker von seinem Label nichts mehr gefallen lassen. Bei seiner Geburtstagsparty setzte er seine herausgeputzte Promotiontussi kurzerhand in die üppige Cremetorte, weil diese ihn mit den ausgefallenen Posingwünschen der Fotografen zu sehr bedrängte. "Das passiert mit Menschen, die meinen, mir Befehle erteilen zu müssen", habe MELLENKAMP kühl gesagt.
Der größte amerikanische Rockstar ist für RALF BRUNKOW bis heute BRUCE SPRINGSTEEN. Dessen vierstündigen Konzerte seien stets eine Offenbarung des Rock’n’Roll für ihn gewesen. Lange Jahre hatte BRUNKOW versucht, ein Interview mit dem "Boss" zu bekommen. Der wiederum versagte sich der Journaille, weil er sich ihr rhetorisch nicht gewachsen fühlte. Als in Europa SPRINGSTEENs Comback mit "Born In The USA" einsetzte, orderte BRAVO bei ihrem Amerikakorrespondenten Features und Fotos vom "Boss". "Beim Tourstart in Toronto war auf offiziellem Wege wieder mal nichts zu machen, so kontaktierte ich einen Freund bei der Backstagecrew", erinnert sich BRUNKOW. In einem üppigen Wohnwagen wartend - "das einzige Mal, daß ich nervös war und beinahe begann, die Rolle des Journalisten mit dem Fan zu verwechseln" - stand ihm plötzlich SPRINGSTEEN gegenüber, lediglich bekleidet mit zwei Handtüchern. "Er roch furchtbar nach Kampfer! Unglaublich", sei BRUNKOWs erster Gedanke gewesen. Dann plauderte er einige Minuten mit einem Mann, der sich nur mit Mühe zu artikulieren wußte und sich als extrem zurückhaltend erwies. "Der nachhaltigste Eindruck des Interviews war der Geruch des Kampfer-Spiritus. SPRINGSTEEN ist so, wie man ihn von der Bühne kennt. Ein einfacher Bursche, einer aus dem Volk."
Einen anderen Mega-Star hat "Ducky" BRUNKOW in weniger guter Erinnerung. MADONNA präsentierte sich beim Interview als die ausgeflippte Göre, die sie auch mit ihrem Image verkauft. "Unkonzertriert, aufgesetzt und vorlaut", sein Urteil. Dabei hatte er MADONNA schon Jahre vor ihrem Durchbruch in einer Disco in Manhattan kennengelernt. "Ein Flittchen, das dauernd beim Discjockey herumlungerte und Boys abschleppte", sei sie während dieser Zeit gewesen. Damals hätte er ihr sogar 20 Dollar für ein Taxi nach Hause pumpen müssen, weil ihr Typ ohne sie abgehauen sei und MADONNA ihn ratlos anschnorrte. "Manchmal frage ich mich, warum ich das Geld beim Interview nicht von ihr zurückgefordert habe", schmunzelt der Journalist.
Noch negativer als MADONNA sind dem Rock’n’Roll-Reporter die BEASTIE BOYS im Gedächtnis geblieben. Die drei Jungs, wie BRUNKOW jüdischen Glaubens, hätten ihn, den deutschen Journalisten, mit "Heil, Hitler" zum Interviewtermin in einem Hotelzimmer in Worcester empfangen. "Man stelle sich das mal vor: Das passiert mir, einem Emigranten!" Im Hinterkopf den BRAVO-Auftrag bemühte er sich noch ein Weilchen. "Aber sie haben gar nicht zugehört, mich mit ‘Fuck you’ und ‘Idiot’ beschimpft. Dauernd lief der Fernseher. Die Promotionfrau setzte dem Spiel ein Ende."

Der dritte Teil unserer Serie "DER ROCK’N’ROLL-REPORTER - Die Erlebnisse des RALF M. BRUNKOW" beschäftigt sich mit weiteren Themen aus der Rock-High Society. Wir berichten über GROUPIES, GELD und GRÖSSENWAHN. Außerdem entschlüsseln wir, wie PHIL COLLINS seine Scheidung kompensierte. Watch out for INTRO-das musikmagazin Nr. 32.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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