H.P. Zinker

escape from new york

29.08.1995, 21:39, Text: Autor unbekannt

\"... At The Mountains Of Madness\", das letzte in New York entstandene Tondokument, ist das wahrscheinlich intensivste und in sich geschlossenste Album H.P. ZINKERS. Klaustrophobische Riffs bauen sich zu Song-Monumenten auf und lassen der über die Jahre hinweg gewachsenen Großstadt-Neurose Platzgumers freien Lauf. Fast sei es ein Konzeptalbum geworden, erklärt er, auf die fragmentarischen Titel der Lieder angesprochen. \"The Shack\", \"The Breed\", \"Undeniable\", \"Anxiety\" oder \"Fortress Of Fears\", allesamt nur lautmalerische Überbegriffe für Konglomerate aus den verschiedensten Emotionen, die den Musiker bewegten. Konzept stimme aber nicht ganz, es gäbe kein Thema außer der vermutlich unbewußten Angst, die eine Stadt wie New York erzeuge, fährt er fort und gibt zu, daß ihn die Stadt seiner Träume am Ende besiegt habe.

Damals, als er Europa verließ, habe ihn die Enge Österreichs und die Beschränktheit der Leute gestört. Die Zeit war reif, die letzten Bastionen der Avantgarde woanders zu suchen. Die Oberflächlichkeit der Amerikaner aber, das sture Ausrichten jeglicher künstlerischer Aktivität auf den Erfolg und Kommerz habe ihn total verstört. Monatelang versuchte er, neue Songs zu schreiben, und scheiterte an der mangelnden Tiefe seiner Umgebung. Fazit: Ein Album, das schon im Titel Platzgumers Meinung über New York verrät: Berge des Wahnsinns.
Derzeit erscheint ihm Europa offener für Ungewöhnliches, Sperriges. Natürlich sei ihm bewußt, daß man bestimmte Zugeständnisse machen müsse, immerhin wolle man ja auch leben. Auf der anderen Seite, strahlt er plötzlich, habe er nie das Gefühl gehabt, unkommerzielle Musik zu machen. Was ist verkehrt daran, THIN LIZZY zu mögen, fragt er mich, und wir unterhalten uns kurz über den Niedergang METALLICAs als Bastion der \"ehrlichen\" Metalmusik. PRIMUS? PRIMUS verstehe er nicht. Zu abgehoben und auf Verarschung ausgelegt. H.P. ZINKER sei nie \"nur\" Metal gewesen. Stets war das stilübergreifende Element Platzgumers anwesend, er verarbeitete frühzeitig Jazz-Einflüsse und scherte sich einen Dreck um Konventionen, blieb jedoch immer den Siebzigern und einem gewissen HENDRIXschen Schema treu.
Inzwischen beschäftigt er sich wieder intensiver nit Filmmusik und betätigt sich außerdem auch als Maler, ansonsten jedoch erholt er sich von den anstrengenden Aufnahme-Sessions, die ihn nachhaltig beeindruckt haben. Noch nie zuvor hätten er und die anderen beiden ZINKERs so nahe am Rande des Wahnsinns gestanden: \"Wir haben uns so intensiv mit der unterschwelligen Thematik identifiziert, daß es ein Wunder ist, daß wir noch bei geistiger Gesundheit sind.\"
Vielleicht tut Hamburg ihm wirklich gut, allein durch die Tatsache, daß es überschaubarer ist als New York. So dürfte es einfacher sein, Plätze zu finden, wo man sich zwischen die Stühle setzen kann - denn darin, das ist mir seit diesem Interview klar, ist Hans Platzgumer ein wahrer Meister.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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