Levellers
schaffe, schaffe, häusle baue
28.08.1995, 15:32, Text: Autor unbekannt
Der bei Newcomern sonst allwöchentliche Hype blieb im Falle LEVELLERS völlig aus. In den ersten drei Jahre nach ihrer Gründung 1988 wollte nocht nicht einmal eine Plattenfirma etwas von ihnen wissen. Ausverkaufte Konzerte und immense Demo-Verkäufe brachten schließlich doch den langersehnten Vertrag. Die Singles kamen in die Charts, die LEVELLERS wurden zu Rockstars. \"So wie wir sollten es junge Bands machen\", meint Chadwick, \"dann kannst du dir sicher sein, daß du dich länger hältst. Ich habe nichts dagegen, wenn wir richtig groß werden, von mir aus können wir die nächsten U2 sein. Wir haben hart genug dafür gearbeitet.\"
Nun beginnt die Arbeit Früchte zu tragen.
Nach neun Monaten Schufterei am \"Metway\" schrieben sie ein Vierteljahr lang neue Songs, die sie schließlich in sechs Wochen aufnahmen. \"Wir hatten diesmal so unendlich viel Freiheit, weil es die erste Aufnahme in unserer heimatlichen Umgebung war.\" Tatsächlich hat die Band mit ihrem vierten Album \"Zeitgeist\" ihr bisher vielfältigstes und songschreiberisch dichtestes Opus vorgelegt. Die irischen Einflüsse wurden weiter zurückgeschraubt, die Fiddle von Jon Sevink klingt oft wie eine elektrische Gitarre. Einige Songs, allen voran \"4 AM\", rocken mächtig laut, aber auch für poppig-moderate Zwischentöne à la \"Still Haven't Made It\" ist gesorgt.
\"Ich finde, du hörst auf der Platte, wieviel Spaß wir hatten. Es ist schon ein Unterschied, ob du, wie vor zwei Jahren, sechs Wochen in irgendeinem Studio in London weggeschlossen wirst oder ob du in deiner eigenen Umgebung soviel Zeit hast, wie du willst. 'Levellerrs' ist, verglichen mit 'Zeitgeist', recht eindimensional, aber damals waren wir glücklich, es überhaupt geschafft zu haben.\"
Ihre rebellische Attitüde haben sich die Musiker bewahrt. Ihren erhöhten Bekanntheitsgrad nutzen sie immer stärker für ihr politisches Engagement. Gerade veröffentlichten sie ein Buch (\"The Book\"), das die Kontaktadressen zahlloser politischer und sozialer Aktivisten-Gruppen beinhaltet. \"Früher\", so Chadwick, \"ging es im Rock'n'Roll darum, die Eltern zu schocken. Heute bedeutet Rebellion für uns, etwas gegen die Regierung zu tun.\" Eine \"LEVELLERS-Partei\" indes sei eine Idee, die ihm Angst mache. Chadwick geht nicht einmal wählen. \"Wir wollen eine Alternative zur Politik bieten. Unsere Mission ist es aber nicht, die Leute politisch zu belehren. Aber wir sagen, daß die derzeit Regierenden weg müssen. Letztes Jahr gab es in Schulen eine Umfrage, wer Prime Minister sein sollte. Wir bekamen mehr Stimmen als John Major.\" Predigen will Chadwick indes nicht. Sobald die LEVELLERS auf der Bühne stehen, haben sie mit Politik sowieso nicht mehr viel am Hut. \"Dann ist Party angesagt.\"
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