Kreator

konfliktursache forschung

25.08.1995, 12:54, Text: Autor unbekannt

Sowohl die Entwicklung der letzten KREATOR-Platten als auch die Unterhaltung mit einem Mann, den wohl niemand sozialisieren mußte, sprechen dafür. Mille Petrozza ist immer schon mit offenen Augen durch die Welt gegangen, hat früh gesehen, was für Chancen der Horizonterweiterung eine erfolgreiche Band bietet, und nur wenig später realisiert, daß sie ebenso ein Medium sein kann, diese Erfahrungen weiterzugeben.
\"Wer hat schon Bock, sein Leben lang über Satan und Beelzebub zu singen? Ich gehe immer von persönlichen Erfahrungen aus, egal ob es politische Angelegenheiten sind oder ein Song wie 'Isolation', in dem es nur darum geht, zu beschreiben, was man alles mitnehmen kann, wenn man ab und zu seine Ruhe hat.

Das Themenspektrum auf 'Cause Of Conflict' ist recht breit, ein Song über Rassismus, dann Sachen wie 'Crisis Of Disorder', wo es um Menschen geht, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben und aus Wut einfach irgendwelche Klamotten kaputt schmeißen. Oder 'Bomb Track', ein Song, der vom Bombenattentat in Oklahoma inspiriert wurde, das gerade passierte, als wir in Amerika waren.\"
Der Mann wirkt ruhig und ausgeglichen, weiß mittlerweile ziemlich genau, was und wohin er will. Eine Grundstimmung, die sich auch auf dem neuen Album bemerkbar macht. Nicht daß \"Cause For Conflict\" tatsächlich ein ruhiges Album wäre, aber da, wo auf \"Reneval\" die Experimente die Richtung bestimmten, versucht man auf dem aktuellen Werk, eine ausgewogene Mischung aus mehr oder weniger traditionellen Thrash-Elementen und modernstem Sound zu fahren. Der Vergleich zu MACHINEHEAD liegt nahe, nicht zuletzt hat Produzent Vinnie Vojno auch das Debüt der Kalifornier engineert. \"Wir haben diesmal versucht, eine Brücke zwischen den alten, reinen Thrash-Platten und dem letzten Album zu schlagen, nicht mehr ganz so viel zu experimentieren, das haben wir auf der letzten Scheibe etwas übertrieben. 'Reneval' hätte damals eine bessere Produktion verdient. Wenn du ein experimentelles Album machst, brauchst du jemanden, der versteht, was du willst, und das auch umsetzen kann.\"
Nach dem Release von \"Reneval\" im Oktober '92 und der darauffolgenden Europatour war es hierzulande eine ganze Zeit recht still um die Band. Drei Jahre reichen heutzutage allemal aus, um Auflösungsgerüchte nicht nur aufkommem, sondern als bestätigt gelten zu lassen. \"Wir haben viel in den USA und in Südamerika getourt. Wir werden uns mit der neuen Platte wieder mehr auf den europäischen Markt konzentrieren, da in Amerika ja jetzt jeder den Punk neu entdeckt. Dann gab es das Problem mit dem Wechsel von 'Noise' zu 'Gun'. Um nach einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten aus dem Vertrag rauszukommen, mußten wir schon einige Zugeständnisse machen. 'Noise' wird das Album in den USA und in Japan vertreiben, außerdem werden sie eine 'Best Of Kreator' veröffentlichen, was ich für ziemlich überflüssig halte, aber bitte .... Dann kamen noch die Line-up-Wechsel. Durch den neuen Drummer und den neuen Bassisten haben wir aber auch neue Impulse bekommen, die wieder mehr in die aggressivere Richtung gegangen sind.\" Hat geholfen. Wir sehen uns in den Charts.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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