Selig

oder das göttliche Hinterteil

22.08.1995, 19:21, Text: Autor unbekannt
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Für Sie gelesen: \"SELIG heißen nicht nur so. SELIG sind SELIG!\" So oder ähnlich feierte Ute-Elke Schneider den Majordeal der Hamburger in der Zeitung, die von Englischsprachigen immer als \"Fuckblatt\" tituliert und seitdem von mir boykottiert wird. Was schreiben auch Kacke-Arschloch-Zeitungen über Kacke-Arschloch-Bands! Tja, heute bin ich - nein, nicht der Großvater! - die Frau Schneider. Denn: SELIG heißen nicht nur so, sie sind es auch. Denn es kann nur GlückSELIGkeit sein, in der zumindest Gitarrist Christian am anderen Ende der Telefonleitung schwelgt. Er erzählt mir alles von Anfang an, wie er damals Sänger Jan in einer Bar traf, es wurde getrunken und geredet \"und das war sehr nett\".

Beide hatten sie ein paar gute Freunde - und fertig war dann im März '93 die Band, weil man sich ja auch so gern hatte. Wieder einmal das schleimmatschige Rührstück, das allen potentiellen Plattenkäufern um den wässerig gemachten Mund geschmiert wird: Wenn ihr den lecker Tonträger hier kauft (\"Hier\" ist übrigens der Titel ihres neuen Schaffens), haben wir euch genauso lieb wie wir uns untereinander; wir - die netten Studiomucker von nebenan.
Zeit, wütend den Hörer auf die Gabel zu feuern, doch Christian durchlebt seine sentimentalen Freuden während des Erzählens noch einmal; gewährt mir, dem wildfremden Telefonisten, Einblick in seine intime Gefühlswelt. Der Verfasser ist ehrlich gerührt und verkneift sich harsche Kritik. Wie ist das eigentlich so, heutzutage noch richtige, straighte, ja, gar erdige und ehrliche Rockmusik zu machen? \"Ich bin halt bereits als Kleinkind mit dem ganzen 70er Kram von meinem Vater zugedröhnt worden. Ich hab' dann später 'ne Menge anderer Jobs gemacht, irgendwelche Metalgeschichten und so. Aber irgendwann kam ich halt wieder darauf zurück. So in der Art geht es uns allen. Letztes Jahr haben wir an die 130 Gigs gespielt. Dabei sind wir auch im Songwriting extremer geworden. Live spielen wir jetzt wilder und ausgelassener als vorher.\" Und die Studioarbeit? \"Wir haben in Brüssel eine ganze PA aufgebaut. Kein Click, keine Kopfhörer. Das Album klingt einfach frisch und unbefangen.\"
Das Schöne ist: Das stimmt. \"Hier\" ist ein Album voll des saftigen Rocks. Darauf hat die Welt nicht unbedingt gewartet, aber bemerkenswert, daß die ewigen Wahrheiten des Rock'n'Roll - als da wären: geiles Riff, buff tschak und Samenkoller - für die Dauer der Spielzeit neue Gültigkeit verliehen bekommen haben. Und: SELIG gehören zu den wenigen Bands, denen die obligatorischen Ausrutscher in den Lyrics (\"Sie Trägt Den Arsch Einer Göttin\") zu verzeihen sind. Die Stimme ist gut, die Band groovt - fertig. Und wenn SELIG die dänische Frickelband KINKY BOOT BEAST nicht nur kennen, sondern goutieren und eventuell mit auf Tour zu nehmen gedenken, dann stelle ich mich in die erste Reihe und gröle \"Arsch Einer Göttin\" und vergesse alles, was ich gegen Rockmusik richtigerweise schon geschrieben habe. In Seligkeit, Amen.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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