The Subway Surfers

süßer gitarren nie klingen ...

18.08.1995, 16:27, Text: Autor unbekannt

Für den Refrain wird mit Sicherheit die Erfahrung herhalten müssen, daß Opel Copiloten immer erst den Fahrer um Erlaubnis fragen, ob sie sich mal an den Kotflügel lehnen dürfen (der antwortet in der Gegenwart Fremder in der Regel mit weltmännischer Großzügigkeit: \"Ja klar, ist eh dreckig.\"). Herauskäme wahrscheinlich ein wenn auch druckvolles, in seiner Melancholie aber an die BYRDS gemahnendes, mit fünfstimmigen BEACH BOYesken Uh-Ma-Ma-Chören unterlegtes Popspektakel über die Einsamkeit des Beifahrers.
Sänger Siggi, zu Hause an einer Auricher Ausfallstrasse, hat das Grundwesen des Blues (will meinen des tragisch gefärbten Trübsinns) im Sinne eines LOU REEDs oder WOLFGANG AMBROS' (der Ostfriese ist der bessere, weil authentischere New Yorker/Wiener) quasi vor der Haustüre gelernt: Dort kann man meilenweit in der Gegend herumlaufen, ohne überhaupt irgendetwas zu begegnen, aber wenn man schließlich wo gegen rennt, darf man sich fast sicher sein, die Ex-Freundin getroffen zu haben.

Ganz anders Basser Tim, obwohl ausgestattet mit den für seine schwermütigen Landsleute typischen tiefliegenden Augen und ausgerauften Haare, beschloß er schon früh, das Leben in der Tradition Stormscher Romangestalten zu fliehen und sich im sündigen Hamburg dem prallen Vergnügen zu widmen. Nicht zuletzt seinem weltoffenen Einfluß - traf ich ihn doch unlängst in Begleitung dreier beeindruckender farbiger Herren, die sich als erfolgreicher amerikanischer HipHop-Act herausstellten, in einer Stripbar - dürfte die Abkehr der mittlerweile fast zehn Jahre existierenden Band von der reinen Lehre des Punkrock über die eigenen, doch eher feinsinnigen als grobschlächtigen Wurzeln hin zum Streben nach dem perfekten Popsong zu verdanken sein.
Der Song an sich hat schon immer im Mittelpunkt ihrer Alben gestanden, nur orientierten sie sich früher eben eher an den BUZZCOCKS oder HÜSKER DÜ als an den BEATLES, denen man auf \"Debut\" mit \"Dear Prudence\" seine Referenz erweist. Die Arbeitsweise der Band hat sich nicht geändert, alle zwei Monate eine Probe, und wenn man beschließt, eine Platte aufzunehmen, beginnt man eine Woche vorher, Songs zu schreiben. Die können die SURFERS mittlerweile fast noch schneller aus dem Ärmel schütteln als zu Punkrock-Zeiten. Gitarren-Schmachthymnen wie (das übrigens auf INTROducing Vol.2 vertretene) \"When We Get Over\" oder \"Come On\" zeigen deutlich, wohin der Weg weitergeht.



Artikel kommentieren
aus Intro #27 (September 1995)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
Anzeige
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

Gruppen


MISS KITTIN AND THE HACKER

MISS KITTIN AND THE HACKER

Hier geht es um MISS KITTIN AND THE HACKER: Carline Herve und Michel Amato aus Grenoble, Frankreich

» Mehr Gruppen