Ash

18.08.1995, 10:55, Text: Autor unbekannt

ASH sind auf der Insel wohl einer der größten Hypes dieses Sommers, und ob danach noch jemand über sie reden wird, wissen nur die neugierigen Hausmeister von NME und Melody Maker. Deren pubertierende Töchter allerdings würden sich ihre Adoleszenz mit Sicherheit gerne noch ein wenig von den gleichaltrigen Iren versüßen lassen. Gerade mal zwei Jahre als Band bestehend, verbrachten sie ihre Weihnachtsferien gemeinsam mit OASIS-Produzent Owen Morris, um eine Single mit dem klangvollen Titel \"Kung Fu\" aufzunehmen, die dieser Tage im Package mit dem bereits letzten Oktober im UK veröffentlichten Mini-Album auch bei uns erschienen ist. Während sie in England im Rahmen der dort grassierenden \"New Wave Of New Wave\"-Manie \"Teenage Kicks\" als Gütesiegel recyclen, läßt der Boom um die zeitgemäß zwischen UNDERTONES, BUZZCOCKS und DINOSAUR JR.

angesiedelten Superyoungsters in Kontinentaleuropa wie immer um einiges gemächlicher an. Eins muß man Tim, Mark und Rick lassen, bereits \"Trailer\" wimmelt dermaßen von potentiellen \"Top Of The Pops\"-Anwärtern, daß, sieht man \"Kung Fu\" als gelungene Fortsetzung, das bisher noch im Planungsstadium befindliche Debütalbum dann wohl auch bei uns Lahmärschen die Clearasil-Generation gehörig auf Trab bringen sollte. Die Single, die sowohl im NME als auch im Melody Maker Single der Woche war, löste in Großbritannien eine wahre Kampfsportmanie aus. Nicht nur daß dort jeder Fünfzehnjährige, obwohl es der große Eric Cantona ist, der auf dem \"Kung Fu\"-Cover mit britischer Eleganz einen perfekten Side Kick demonstriert, seine genervten Eltern bedrängt, vom Fußball in den Kung-Fu-Verein wechseln zu dürfen, nein, die meisten wissen schon gar nicht mehr, wer Eric Cantona ist. Wie sagt doch Tim so schön: \"Martial arts are the new rock'n'roll!\"



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town--- Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen. Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League. Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic. Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“

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