Young Gods

die erfinder des eingekochten stromgitarren-anschlags

16.08.1995, 13:33, Text: Autor unbekannt

Ihre \"Greatest Hits Collection\" haben die Schweizer bereits '91 in Form eines Albums mit Brecht/Weill-Interpretationen vorgelegt. \"Im nachhinein sehe ich '... Play Kurt Weill' durchaus als eine Art Best-of-Scheibe ohne eigene Stücke. Stilistisch war es ein Potpouri, eine Zusammenfassung von allem, was wir vorher gemacht haben, kombiniert mit den sich schon damals abzeichnenden Strukturen der 'TV Sky'-Phase.\" Das '92er Werk \"TV Sky\" sowie die Dokumentation eines der Tour-Konzerte in Melbourne (Australien) namens \"Live Sky\" bilden für den Frontmann und Bassisten des Trios den vorläufigen Höhepunkt und Abschluß einer stilistischen Entwicklung, die von den YOUNG GODS ausgelotet wurde, mittlerweile aber von zu vielen anderen Musikern bearbeitet wird, als daß sie für Teichler und seine Mitstreiter noch interessant sein könnte.
\"Only Heaven\" markiert für die YOUNG GODS nun einen neuen Wegabschnitt.

\"Wenn 'TV Sky' mit all den brachialen Gitarren-Explosionen, kalt groovenden Synthetik-Bässen und seiner Maschinengewehr-Rhythmik der durchstartende Jet war, dann haben wir mit 'Only Heaven' unsere Reiseflughöhe erreicht, schweben über den Wolken und halten das Level.\"
Größen der eigenen Zunft berufen sich auf sie. MINISTRYs Al Jourgensen und NINE INCH NAILs Trent Reznor zum Beispiel nennen die Schweizer YOUNG GODS und vor allem deren Sänger und Frontmann Franz Teichler als maßgeblichen Einfluß, und doch sind die Erfinder des eingekochten Stromgitarren-Anschlags was die Verkäufe betrifft kaum über die zweite Liga hinausgekommen. Teichler hat sich nie groß darum geschert und tut es auch heute nicht. Während er in den USA mit MINISTRY durch ausverkaufte Hallen hätte touren können, feilte er lieber an eigenen Projekten. Seit der letzten Studioproduktion sind mittlerweile immerhin drei Jahre vergangen, das reicht heutzutage, um Auflösungsgerüchte als bestätigt gelten zu lassen und die neue Veröffentlichung als Comebackversuch zu werten. Trotzdem wagt es im Zusammenhang mit den YOUNG GODS niemand, von einem Comeback zu sprechen. Dafür hat ihre Musik, auch in Zeiten der Abwesenheit, eine allzu physische Präsenz.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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