Mouse On Mars

samplen bis zum rauschen

13.08.1995, 16:41, Text: Autor unbekannt

Einen Rettungsversuch starten nun die Kölner MOUSE ON MARS. Andi Toma und Jan Werner konnten schon im letzten Jahr mit ihrem Erstling \"Vulvaland\" auf dem englischen \"Too Pure\"-Label überzeugen und schieben nun aufgrund weiterer Verrohung der guten Sitten \"Iaora Tahiti\" nach. Konnte man beim letzten Album noch von Ambient sprechen, fallen die Kategorisierungs-Maßnahmen diesmal schwieriger aus. Phasenverschobene Samples, Breakbeatmuster, JAMES LAST-Orgel, weiche Flächen und ein deftiger Subbass sind die Ingredienzen ihrer Musik, die ab und an mit dem postmodernen Easy Listening spielt. Doch bevor es soweit ist, verlieren sich alle Samples in einem schönen Rauschen.

\"Unsere Aufnahmen\", sagt Andi, \"sind meist unkonventionell. Wir schicken die Samples so lange durch die Geräte, bis wir verzerrte elektronische Impulse haben. Wenn das nicht reicht, bearbeiten wir die Original-Bänder. Wir zerschneiden sie, brennen sie an, bemalen sie, nur um dem digitalen Sample Leben einzuhauchen.\" So kreieren sie einen organischen Sound, der sich amöbenhaft verändert, und der zerbrochene Rhythmus fügt sich wie von selbst wieder zu einer persönlichen Definition elektronischer Musik von MOM zusammen.
Mit der gängigen Techno-Szene haben die beiden nicht viel am Hut. \"ich höre eher Funk und so\", erwidert Andi. \"Uns geht es ja auch nicht um die Musik allein, vielmehr um das Phänomen, wie man aus Maschinen ein Eigenleben herauskitzelt. Kontrolliert man die Maschinen, kontrollieren sie einen irgendwann selbst.\" Indem MOM ihren Maschinen die Freiheit lassen, die Samples selbst zu verändern, schaffen sie ein kybernetisches Vertrauensverhältnis, aus dem heraus sie wie selbstverständlich die Seele mit der Technik verbinden. Jemand, der damit reichlich Erfahrung hat, ist Wolfgang Flür, ehemaliger KRAFTWERK-Mitstreiter, der beim ersten Track die Schlagstöcke für das elektronische Drum schleuderte.
Bezeichnend ist, daß eine der international führendsten E-Bands nicht auf einem deutschen Label ist. \"Die Angebote waren einfach unakzeptabel und bewegten sich zumeist in Richtung Kommerz. 'Too Pure' läßt uns die Freiheit, unseren Ideen nachgehen zu können.\" Bleibt zu hoffen, daß MOM diese Freiheiten weiter nachhaltig nutzen und mit dem Flammenschwert der Avantgarde das Medusenhaupt des kommerziellen Technos abschlagen.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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