The Stranglers

aus dem rahmen gefallen

10.08.1995, 21:52, Text: Autor unbekannt

INTRO: \"About Time\" erinnert in seinen Grundstrukturen wesentlich mehr an das Wurzelwerk der Band als die beiden Vorgänger-Alben. War es höchste Zeit für eine Rückbesinnung? Jean-Jacques Burnel: Es war höchste Zeit, auf den Einsatz von Computern zu verzichten, denn die haben den Grundgedanken der STRANGLERS völlig zerstört. In den vergangenen zehn Jahren sind wir nur mit jeweils halben Ideen ins Studio gegangen, setzten uns an Computer und versuchten, die Songs mit Hilfe der Technologie zu vervollständigen. Erst spät ist uns klar geworden, daß wir eine Situation heraufbeschworen hatten, in der nicht die Technik uns, sondern wir der Technik folgten.

Die Songs zu \"About Time\" haben wir ein Jahr lang im Proberaum einstudiert, ohne Computer. Wir wollten wieder eine Performance aufnehmen und die Songs über das Zusammenspiel auf der Bühne reifen lassen.

INTRO: Gerade die Bühne scheint wie geschaffen für euch. Man hat nach euren Konzerten den Eindruck, daß ihr auf Effekt-Spielereien ebenso verzichten könnt wie auf aufwendige Lightshows.

Paul Roberts: Wenn ich ein Konzert besuche, dann will ich eine Band und keine Lightshow sehen. Und wenn ich selbst auf der Bühne stehe, dann möchte ich etwas tun, was ehrlich ist, etwas, bei dem ich mich wohl fühle. Ich kenne Leute, die verwenden DAT-Rekorder auf der Bühne, machen nichts, außer eine Taste zu drücken. Dieselben kommen nach ihren Auftritten von der Bühne und sagen sich, was für ein großartiges Konzert sie gegeben haben. Wenn wir hinter der Bühne eine Reihe von Computern, einen DAT-Rekorder stehen hätten, die die Konzerte für uns spielen würden, wären wir dann noch ehrlich?

INTRO: Paul, du bist nach dem Ausstieg von Hugh Cornwell (1990) als Sänger bei den STRANGLERS eingestiegen. Alles, was man über dich weiß, ist, daß du lange Jahre drogensüchtig gewesen bist.

Roberts: Ich habe mit 13 Jahren angefangen, Drogen zu nehmen, hatte die gleichen Probleme wie viele in dem Alter. Ich hatte keine Lust, den Wünschen meines Vaters zu entsprechen. Ich haßte es, daß meine Eltern mich nicht unterstützten, und habe mein Zuhause früh verlassen. Mit 21 hatte ich keine Lust mehr, Nadeln in mich hineinzustechen. Man erlebt in einer solchen Zeit furchtbare Sachen, und irgendwann wollte ich nichts mehr damit zu tun haben.

INTRO: Welche Bedeutung hat der Einstieg bei den STRANGLERS für dich persönlich gehabt? Roberts: Mal abgesehen davon, daß ich früher selbst Alben der STRANGLERS gekauft habe, ist es schön, in einer Band zu sein, deren Mitglieder mit sich selbst ehrlich umgehen. Ich habe nie Sänger einer Band mit so Sprüchen wie \"Come on, clap your hands\" sein wollen.

INTRO: Zurück zum neuen Album. Die STRANGLERS sind stets eine textlich kritische, ja teilweise zynische Band gewesen. Gilt dies auch für \"About Time\"?

Burnel: Für uns ist es immer wichtig gewesen, die Situation, in der wir jeweils leben, zu hinterfragen. Alles, was man verändern kann, ist die eigene kleine Welt, in der man sich befindet. Wirkt sich eine solche Veränderung positiv auf andere aus, dann ist das natürlich klasse. Allerdings schreiben wir nicht nur zynische Texte, wir gehen mit manchen Themen auch sehr naiv um. Ich beschreibe uns daher lieber als naiv denn als zynisch.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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