Son Of Noise

hiphopper großbritanniens vereinigt euch!

02.08.1995, 15:04, Text: Autor unbekannt

\"Die Plattenfirmen behaupten, es gäbe keinen Markt für Rap: Die schwarze, britische Musikszene ist hier das letzte, wofür man sich interessiert, sei es Soul, Rap ...\", so DJ Jason. \"Die Leute schauen alle nach Amerika, dabei ist das Zeug von hier gut genug, um mitzuhalten.\" Für SON OF NOISE trifft diese Einschätzung allemal zu: Sie pflegen einen fetten, genau zwischen England und Amerika liegenden Sound, der jede Menge Diversity aufzubieten hat und mehr Einflüsse von Funk bis Reggae, als es noch vor ein paar Jahren für ihren Ruf gut gewesen wäre. \"Inzwischen sehen wir uns als Leute, die Musik machen. Viele HipHopper in England machen den Fehler, z.

B. Jungle als Ausverkauf oder Kommerz zu brandmarken. Ich habe noch nie einen Junglist irgendeine Form von Musik heruntermachen hören.\"
Apropos Jungle: Haben wir da etwa nicht eine überaus erfolgreiche Form schwarzer, britischer Musik? \"Jungle ist gut, weil Jungle seine eigene Szene hat, nicht von den Majors abhängt. Es ist eine sehr große Szene, die viele Platten verkauft, aber nur von einer Handvoll Leuten kontrolliert wird. Es ist sehr schwer, mit Jungle Geld zu verdienen, weil du nicht einfach dein Ding durchziehen kannst. Zu HipHop hat jeder Zugang. Leider kommt man damit nicht weit, es sei denn, man macht Pop.\" Deswegen auch \"Bullshit & Politics\": In der Politik geht es weniger um Inhalte als darum, wen man kennt. Das trifft auch auf die Politik der Plattenfirmen zu, deren Vertreter in einem Comic auf der Rückseite der Platte gesichtslos dargestellt werden. \"Denen ist es unwichtig, was du machst, sie sind allein an den Verkäufen interessiert. Und sie hören natürlich auf die Journalisten und Radio-DJs, die sich, wenn sie HipHop überhaupt berücksichtigen, auf die amerikanischen Sachen beschränken.\"
SON OF NOISE würden bestimmt sehr mißmutig klingen (was sie beileibe nicht tun), wenn das alles wäre, was sie zu sagen haben. Selbstverständlich versuchen sie, diesen desolaten Zustand zu überwinden. Das Zauberwort ihrer Gegenstrategie lautet Unity. \"Unity is the key in music. Wenn Leute sich zusammentun und die Sache richtig anpacken, kommt wesentlich mehr dabei herum. Schau die Amerikaner an: Wenn sie Erfolg haben, nehmen sie andere Leute mit nach oben.\" Ein Plädoyer gegen Abschottung, das auf der Platte konsequent umgesetzt wird, mit verschiedenen Gast-Rappern, -Sängern und -Produzenten. Diese Beteiligung anderer am eigenen musikalischen Prozeß dient wiederum der Öffnung gegenüber anderen Stilen. SON OF NOISE verfolgen sicher einen der vielversprechendsten Ansätze, der derzeit aus dem britischen HipHop kommt.



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aus Intro #27 (September 1995)
 
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