Funkdoobiest

stimmen einer vergessenen community

28.07.1995, 10:56, Text: Autor unbekannt

HipHop als Kultur und soziale Bewegung steht zu Recht im Kontext dieser Tradition, andere Einflüsse und Grundpfeiler treten dabei aber sehr oft aus dem Blickfeld. FUNKDOOBIEST erinnern daran, sie repräsentieren einen totgeschwiegenen Teil Amerikas, die Communities der Latinos und Chicanos (Bezeichnung für mexikanische Einwanderer): \"Für uns ist HipHop so etwas wie eine Religion, eine Kultur, die von vielen verschiedenen Leuten erschaffen wurde, mit eigener Sprache, Tänzen und Kunst. HipHop ist eine große Familie, wir tragen mit unserem Hintergrund (Latino/Chicano) dazu bei und erinnern gleichzeitig daran. Das Problem ist wirklich, daß das vielen Leuten nicht bewußt ist.

Wir als Latinos, CYPRESS HILL und andere Gruppen, machen unsere Community als Teil der Gesellschaft sichtbar und können nur versuchen, sie so gut wie möglich darzustellen\", erklärt Soondoobie.
Die Latinos und Chicanos (auch unter dem Sammelbegriff Hispanics geführt) stellen heutzutage mit über 30% den größten Bevölkerungsanteil in der Kernstadt Los Angeles. Der große Zustrom innerhalb der letzen 10 Jahre in die Mid-city ließ neue Superslums im Herzen der Stadt entstehen; Menschen, die in gigantischen Mietskasernen, verlassenen öffentlichen Gebäuden, notdürftigen Hütten oder einfach auf der Straße leben, in ihrer Mehrzahl Hispanics, in der sozialen Hierarchie \"ganz unten\".
Während sich nach der Liquidation der 60er Bürgerrechtsbewegung, in der es bereits Bündnisse der Communities gab, eine \"schwarze\" Mittelschicht entwickeln konnte, die zumindest den Zugang zu öffentlichen Ämtern und das Mitspracherecht an politischen Entscheidungen erkämpfte, tat sich für die Hispanics nichts. Bezeichnend dafür die Wahl um das Bürgermeisteramt im Jahre 1993, die der Afro-Amerikaner Bradley durch ein Wahlbündnis mit dem Latino Pedro Pallan gewann, dem Bradley einen Sitz im Stadtrat versprochen hatte. Nach gewonnener Wahl befiel den Bürgermeister jedoch das Barschel-Syndrom, und er ernannte einen Afro-Amerikaner in den Stadtrat.
Ständig herrschen in L.A. unter den Communities Spannungen, Konkurrenzkampf um das wenige, was noch irgendwo in der \"Sweat-Shop Ökonomie\" (Bezeichnung für Industriezweige und Geschäfte, in denen \"kostengünstige\" Textilien und Möbel - Ramsch - zu Mindestlohnbedingungen hergestellt oder verkauft werden) oder anderen Billigjobs zu verdienen ist. Der Aufstand von 1992 beinhaltete eine erneute Allianz der Latinos und Schwarzen, eine Hoffnung, die speziell durch HipHop genährt wird: \"Der Aufstand? Bevor wir zu einer Ordnung finden, gab es erstmal Chaos; was geschehen mußte, geschah. Es geht um den Wiederaufbau der Communities. JedeR ist nun ein wenig ruhiger und ist sich der Wurzeln des Aufstands bewußt. Ich habe das Gefühl, daß nun Schritte in Richtung Verbesserung gemacht werden\" (Soondoobie).
HipHop, an dem von Beginn an Latinos wie die ROCK STEADY CREW, KID FROST, MELLOW MAN ACE, ATZLAN UNDERGROUND, JIMMY CASTOR, KOOL HERCS LATIN RECORDS und eben FUNKDOOBIEST sowie CYPRESS HILL teilgenommen haben, kann deshalb den Dialog der Communities, der von Aktivisten, Gang-(Ex-)Mitgliedern und einigen Intellektuellen wie Mike Davis oder Greg Tate geführt wird, vermitteln und fördern. FUNKDOOBIEST tun dies definitiv, ihr zweites Album ist reifer, weniger partylike, voll Respekt und Liebe für alle, die nicht auf der Sonnenseite Amerikas leben; ganz nebenbei treten sie damit auch aus dem Schatten von CYPRESS HILL.



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aus Intro #26 (Juli / August 1995)
 
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