Schweisser

fassaden aus stahl

27.07.1995, 10:08, Text: Autor unbekannt

Seit sechs Jahren machen die Oberbayern in gleichbleibender Besetzung ihr Ding und hatten nach dieser Zeit eigentlich gar nicht mehr mit einem Deal gerechnet. \"In Bayern hat das viel mit der Infrastruktur zu tun. Hier in München sitzen nur die großen Plattenfirmen. Es gibt kaum kleinere Label, und bei denen kommst du sehr schlecht an die Leute ran. Ebenso verhält es sich mit der Presselandschaft: Hier sitzen ME/SOUNDS und BRAVO, aber Fanzines sucht man vergebens. Über zwei Jahre lang haben wir Songs geschrieben und etliche Demos verschickt, und keiner wollte uns haben. Um so verwunderter waren wir, als dann doch ein Angebot kam\", erklärt Buffo. Stilistisch hat sich im Laufe der Bandgeschichte einiges verändert.

Die punkigen Soundingredienzen wichen wesentlich metallischeren, der Gesang ist und war hingegen immer in deutscher Sprache. Wo sich mir beim Hören der aktuellen \"Eisenkopf\"-CD allerdings Parallelen zur letzten FLEISCHMANN-Veröffentlichung (\"Treibhaus\") und Soundanlehnungen an HELMET oder PRONG auftun, sieht Buffo doch eher Einflüsse aus anderen musikalischen Bereichen: \"Ich habe FLEISCHMANN zum ersten Mal gehört, als wir unsere Songs schon im Kasten hatten, und dachte mir: 'Schön, daß es noch andere Bands gibt, die deutsch singen.' Für meinen Teil bin ich eher von Bands wie SLAYER beeinflußt.\"
Aggressivität und Härte bestimmen das Soundbild auf \"Eisenkopf\". Ihre Themen suchen die fünf in den Niederungen menschlichen Miteinanders und reißen die nach außen freundlichen Fassaden gnadenlos nieder. \"Die Musik wäre nichts ohne die Bedeutung, die sie durch Texte erlangt. In erster Linie ist das Ganze ein Transport von Emotionen zu den Leuten, mir persönlich dient es dazu, um richtig abzukotzen. Wir sitzen oft zusammen, wie gestern z. B., und geben uns die Kante. Dabei reden wir über Verschiedenstes, Tommy greift das auf und bringt es zu Papier, das ist etwas, was ich nie könnte. Manchmal lese ich Texte von ihm, in denen ich Sachen wiederfinde, über die wir gesprochen haben. Das zeigt natürlich das Verständnis untereinander\", erläutert Buffo.
Besonders auf der Bühne macht sich das gute Verständnis untereinander bemerkbar. Durch unbändige Power und exzellentes Zusammenspiel macht das Quintett aus jeder Halle einen Hexenkessel, der einem Hochofen gleichkommt. Ebenso reizvoll wie ungewöhnlich an der Musik der SCHWEISSER ist das Saxophonspiel von Gruber, der sein Instrument mit allerlei technischen Verfremdungen einbringt und somit für das Sahnehäubchen sorgt. Gelegenheit, die Jungs live zu erleben, gibt es auf der gemeinsamen Tour mit MORGOTH ab dem 15. Juni. Also hin da!



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aus Intro #26 (Juli / August 1995)
 
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