Trieb

"Wir haben abgetrieben: ... darum nennen wir es Groovecore!"

22.07.1995, 14:27, Text: Autor unbekannt

Einfältigkeit, das ist der Vorwurf, den TRIEB so mancherorts (vor allem in Bielefeld und Umgebung, wo einst das Orangene wucherte) um die Ohren gefeuert bekommen. Seit dem Vertrag mit einer namhaften Plattencompany bleibt der nudelige Funky-Bass im Koffer, bzw. wird - Rapunzel, Rapunzel - auf Eierhöhe heruntergelassen, macht das Schlagzeug nunmehr bufft-tschak, tobt sich die Gitarre nur noch solistisch in altbekannter VERNON REID-Manier aus. Seitdem TRIEB TRIEB ist, ist die englische Sprache babylonisches Teufelswerk: Sänger Frank Böhle möchte verstanden werden. Klarer Fall, Deutsch muß sein, allein schon, weil die stilverwandten H-BLOCKX keinen Trieb Richtung deutsche Texte haben.


Was also, Kinners, ist denn bloß in euch gefahren? \"Na ja\", meint Bassist Rolf van der List, \"es war einfach an der Zeit, musikalisch klar Stellung zu beziehen. Als ORANGE FIELDS haben wir uns für alles und nichts zuständig gefühlt und stilübergreifend drauflosgespielt. Auch bei den letzten Konzerten unter dem alten Namen deutete sich schon an, daß wir eine straightere Richtung gehen würden.\" Da hat also kein Herr in Nadelstreifen Ruhm und Ehre versprochen für all diejenigen, die willens sind, Groovecore zu machen mit einer Zunge so gespalten wie die Heimat noch vor Jahren? \"Quatsch!\" wiegelt Gitarrist Stefan Riemer ab, \"das war schon unsere eigene Idee. Mit dem anglophilen Zeug hast du keine Chance. Es gibt so viele gute Bands, aber alle singen englisch. So haben wir allein dadurch ein eigenes Profil.\" Und der Bandname? Passend zur Singleauskopplung \"Sexmonster\" oder umgekehrt? \"Das ist uns zunächst gar nicht aufgefallen. TRIEB haben wir immer verstanden im Sinne von treibend, treibende Musik, nach vorne halt. Daß das jetzt natürlich immer im Sinne von SexualTRIEB interpretiert wird, war uns damals gar nicht so klar.\"
\"Mein Spiel hat eigentlich eher an Funk gewonnen\", findet Rolf, als mangelndes Geslappe, Gedudel und Gefriemel angemahnt wird. \"Mir persönlich ist es lieber, eine Note richtig geil zu spielen als fünf total beschissen. Groove entsteht ja nicht durch Schnörkel, und außerdem spiele ich ja nicht für die Musikerpolizei ...\" Musikpolizisten sind aber auch arm dran: Wann haben sie schon mal Gelegenheit, eine solch tiefgreifende Veränderung minutiös mitverfolgen zu können, wie es den Wendenden nun mal zuteil wird? Eine Veränderung wirkt so oder so wie ein Schlag vor den Kopf: Entweder weil die Überraschung so groß ist (das ist nicht dieselbe Band!), oder weil Rolf vielleicht recht hat: \"Wir haben die Sache mehr auf den Punkt gebracht, so weit, daß es richtig knackt!\"



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aus Intro #26 (Juli / August 1995)
 
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