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pummel
13.07.1995, 19:47, Text: Autor unbekannt
INTRO: In einem deutschen Musikmagazin war zu lesen, daß die Lyrics auf \"Pummel\" von einer fröhlichen bis euphorischen Grundstimmung getragen werden.
Stevenson: (Kurze Pause) ... Haben die das wirklich geschrieben? Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn, die haben die Texte wohl nicht richtig übersetzen können.
INTRO: Wie würdest du eure Songtexte beschreiben?
Stevenson: Mit vier Songwritern ist eine Klassifizierung schwierig. Jeder schreibt über Dinge, die für ihn zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig waren. Gescheiterte Beziehungen und Weltschmerz sind dabei genauso Themen wie Essen, Kaffee, Angeln oder anderes triviales Zeug.
INTRO: Wie persönlich sind dann Songs wie z.
Stevenson: \"Shreen\" ist ein Lied über meine Ex-Freundin Sarina, mit der ich acht Jahre zusammen war. \"Shreen\" is totally personal and totally sexual.
INTRO: Stört es dich nicht, deine Privatsphäre mit deinem Publikum zu teilen?
Stevenson: Mein Publikum besteht auch nur aus Individuen, und jeder macht dieselbe Scheiße durch wie ich. Somit kann sich jeder einzelne mehr oder weniger mit diesen Liedern in Verbindung bringen.
INTRO: Auf \"Breaking Things\" heißt es: \"Keep your politics out of my music.\" Das ist einer eurer wenigen Songs, der die große Politik anprangert. Ansonsten haltet ihr es eher mit der Politik, die euch persönlich betrifft, wie in dem 15 Jahre alten DESCENDENTS-Stück \"I'm Not A Loser\".
Stevenson: Stimmt. \"Self-Rigtheous\" vom neuen Album schlägt ein wenig in die gleiche Kerbe. Es geht darum, daß Menschen anderen Menschen ihre scheinheilige Moral aufzwingen wollen. Wir sind bestimmt nicht auf einem Kreuzzug zur Rettung der Drogenkranken, aber findest du es vielleicht lustig, wenn Leute sich über das Ob und Wie man zu feiern hat höllisch aufregen? Soll doch jeder machen, wozu er Lust hat.
INTRO: Viele haben mit dem Song \"Hetero\" ein Problem, und auch in der Vergangenheit ist den DESCENDENTS schon so manches \"fuckin' homo\" rausgerutscht.
Stevenson: \"Hetero\" ist eigentlich ein lustiger Song, der aus der Sicht eines Rednecks geschrieben wurde. Dieser Redneck kommt mit der alternativen Lebensweise und der Schwulenbewegung mit all ihren Fetischen wie Tattoos und Piercings nicht klar. Als wir Teenager waren, hatte das Wort \"homo\" eine ganz andere Bedeutung. \"Homo\" hieß für uns damals soviel wie Arschloch oder Idiot. Wir hatten und haben nie die Absicht gehabt, Homosexuelle zu diskriminieren oder zu beleidigen.
INTRO: Dann richtet sich \"Uncle Critic\" wahrscheinlich auch nur vordergründig gegen die schreibende Zunft.
Stevenson: Nee, ich habe ein persönliches Problem mit Rockjournalisten, die keine Ahnung haben, sich die Platten nicht richtig anhören. Obendrein sind sie keine Musiker oder für Punkrock einfach zu alt. Diese Deppen sind sich ihrer Verantwortung nicht bewußt, wenn sie über Bands Mist schreiben. \"This is my way of striking back and telling them to fuck off\", und ich finde das nur fair.
INTRO: \"Political Correctness\" beeinflußt zur Zeit zunehmend die Hardcore- und Punkrockszene. Inwieweit laßt ihr euch von dieser Bewegung beeinflussen?
Stevenson: \"P.C.\" ist Bullshit. Wenn ich es nicht so hassen würde, hätte ich nicht all diese Lyrics geschrieben. Mir ist es egal, was diese Leute von mir denken. Aber das Schöne ist, daß sie nicht zu unseren Shows kommen und uns auch sonst nicht auf den Sack gehen!
INTRO: Ihr seid jetzt seit 17 Jahren Teil des Musikbusiness und habt alle Trends miterlebt. In den letzten fünf Jahren gab es den Manchester-Hype, den Seattle-Kult und schließlich Metal Hiphop. Nun hat man den Punkrock \"neu entdeckt\". Wie lange ...
Stevenson: Eineinhalb Jahre, und hoffentlich werden wir außen vor gelassen. Ich denke, was heute als Punkrock verkauft wird, hat nicht mehr viel mit dem englischen der frühen 80er zu tun. Es geht nur noch um Mode und nicht um Musik, Frisuren und Klamotten sind wichtiger als die eigentliche Sache. Wenn ich das Radio anstelle, höre ich nur billige Imitationen von \"Silly Girl\" oder \"Get The Time\" mit gefaktem britischen Akzent.
KS-1Anmerkung der Redaktion:
Homophobie statt P.C.? Wir wissen es nicht. Allerdings gibt uns zu denken, daß noch keiner von uns in seinen Artikeln jemanden \"Spasti\" genannt hat, obwohl wir das Wort im Sandkasten auch völlig ohne Hintergedanken verwendet haben. Stimmt mit uns irgendetwas nicht?
DISCOGRAPHIE
DESCENDENTS:
Fat Ep (1979)
Bonus Fat (1981, SST)
Milo Goes To College (1982, SST)
I Don't Wanna Grow Up (1985, SST)
Enjoy (1986, SST)
All (1987, SST)
Liveage (Live) (1987, SST)
Two Things At Once (Compilation) (1987, SST)
Hallraker (Live) (1988, SST)
Somery (Compilation) (1989, SST)
ALL:
Allroy for Prez ... (1988, Cruz)
Allroy Sez ... (1988, Cruz)
Allroys Revenge (1989, Cruz)
Trailblazer (Live) (1989, Cruz)
Allroy Saves (1990, Cruz)
TonyALL (ALL feat. Tony Lombardo) (1990, Cruz)
Percolater (1992, Cruz)
Breaking Things (1993, Cruz)
Pummel (1995, EastWest)
sowie diverse Sampler-Beiträge und Maxis
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