Oblivians

elvistown goes raw power

23.05.1995, 12:42, Text: Autor unbekannt

Keine Punkband hätte die hölzernen Saiteninstrumente extremer als Waschbretter gebrauchen können. Für die OBLIVIANS zählt jedenfalls das percussive Element einiges mehr als Melodien. \"Gitarre kann ich nicht, Schlagzeug noch viel weniger, also spiele ich Klampfe. Den Bass ersetzt sowieso die Bassdrum\", sagt Eric zum musikalischen Ansatz des Trios. Schrottige Amps, aus Radiotransistoren gebaut, und gerissene Gitarrensaiten gehören dazu. Entscheidend ist das bluesy Feeling in den rabiaten 2-Minuten-Epen, deren Botschaften von fettigem Essen, einem befreundeten Fotografen - Zitat: \"Jim Cole's got too much soul, I can't stand it.\" - oder der Wochenendgeilheit künden.

Slacker-Message als Schergelblues-Inszenierung. Songs im Schnellschußverfahren. Bam-bam-bam-bam. Hinten dicht und vorne BILLY CHILDISH: nicht unbedingt schön, aber immer eindrucksvoll. Das obligatorische Saloon-Piano klimpert munter aus dem Off dazu.
Für Greg Oblivian zählt nicht von ungefähr das erste Album von TRIO zu den ultimativen Rock'n'Roll-Erlebnissen. Andächtig erzählt er von einem Live-Bootleg der allemannischen Avantgarde-Gruppe um STEFAN REMMLER. Ein Album, für das er sterben würde. Die TRIO-Cover-Songs \"Ja, Ja, Ja\" und \"Sunday You Need Love\" bedeuten deshalb auch Höhepunkte auf \"Soul Food\". Der charakteristische Minimalismus, das Faible für puristische Arrangements, für das auch die drei aus Großenkneten standen, machen gleichermaßen den Charme des amerikanischen Triumvirats aus. Das Wort \"Idole\" ist in diesem Fall nicht zu hoch gegriffen.
Dabei kommen die OBLIVIANS aus - \"Blues-City\" - Memphis, Tennessee. Die Stadt, in der Disneyland den Namen \"Graceland\" trägt. Hier ist Rock'n'Roll eine Touristenattraktion, die musikalische Basis arbeitet woanders. Im renommierten Easley Studio. Die Aufnahmeräume avancierten - spätestens nachdem JON SPENCER und seine BLUES EXPLOSION extra aus New Hampshire hierher kamen, um Scheiben zu produzieren - zum Nachfolger der legendären SUN-Studios, die am Ortsausgang unweit des Mississippi liegen. Das Easley Studio verfügt über die angestrebte Roots-Atmosphäre. \"Es gibt nichts, was rougher klingt als Recordings der Großen im Rhythm'n'Blues der späten 40er und frühen 50er Jahre. Da ist soviel Direktheit in der übersteuerten Energie, komm mir bloß nicht mit Heavy Metal. Alles Emotionskalkül.\" OBLIVIAN-Sein heißt deshalb nicht nur, Traditionals zu reformieren, sondern auch dem in die Jahre gekommenen Begriff von Trashrock durch das seltsame Gemisch aus fuzzigem 68er-Blues und 78er Garagen-Punk zu einer Neudefinierung zu verhelfen. Also: keine Zärtlichkeiten, bitte, wenn die Gebrüder aufspielen. Zu IGGYs \"Raw Power\" wäre schließlich auch nicht geknutscht worden.



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aus Intro #25 (Juni 1995)
 
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