Gary Floyd

eine ehrliche haut

14.05.1995, 15:34, Text: Autor unbekannt

Gary: Früher hörten meine Eltern Country & Western, und ich dachte mir: 'Oh, das ist schrecklich. Wenn die das mögen, magst du es natürlich nicht.' Als aber die Zeit verging, zog gerade diese Musik meine Aufmerksamkeit auf sich. Altes Zeugs wie KITTY WELLS, GEORGE JONES, LORETTA LYNN, ERNEST TUBB, nicht so GARTH BROOKS. Egal, ich wollte die alten Country-Sachen machen. So kam \"Broken Angels\" zustande. Da gibt's schon noch Blues-Stücke drauf, aber mehr Country-Einflüsse.

INTRO: Wie bist du auf die Idee gekommen, Country und Blues zu mischen?

Gary: Ich selbst bin eine ziemlich ehrliche Haut. Ich ruhe in mir selbst und wenn ich mich tollpatschig anstelle, besoffen bin oder mich komisch benehme, macht es mir nicht wirklich etwas aus, wenn die anderen wissen, wie ich mich fühle.

Und genauso ist es mit der Musik. Eine Emotion in einen Country-Song einzubringen ist für mich dasselbe wie bei einem Blues-Song. Oder Punk oder sonstwas.

INTRO: Ist es für dich besonders herausfordernd oder lohnend, sich Stilen zu widmen, bei denen bestimmte Schemata beachtet werden müssen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen - was gewissermaßen limitierend sein könnte?

Gary: An diesem Punkt meines Leben ist es gewiß besonders lohnend. Nehmen wir z. B. \"Can't Do That\", einen Song, den ich auf Anhieb mochte. Und so wurde er in etwa zwei Stunden geschrieben. Es ist einfach eine Emotion in mir, die darauf wartet, herausgelassen zu werden.

INTRO: A propos Emotionen: Offensichtlich hingst du sehr an deiner Mutter ...

Gary: Ja. Was einen Teil der Nähe zu anderen ausmacht, ist deren Akzeptanz deines Tuns - ob's nun deinen besten Freund, Liebhaber oder eben deine Mutter betrifft. Und meine Mutter hat mich immer akzeptiert. Sie hatte in einer kleinen Stadt in Arkansas einen Club. Abends versammelten sich dort die jungen Leute und spielten die Jukebox - den Blues eben. So kam ich durch meine Mutter zum Blues. Darüber hinaus sehe ich - als Aspekt meiner spirituellen Einstellung - einen großen Teil der Entstehungsgeschichte und des Lebens bestimmt von einer Art mütterlichen Energie. Ich sehe keinen alten Mann im Himmel sitzen, der die Dinge lenkt, sondern eine Mutter.

INTRO: Somit hast du also deinen Weg und deinen Platz in der Musik gefunden?

Gary: Ich hoffe nicht, dann würde ich mich zur Ruhe setzen. Ich mag sehr, was ich mache, will aber nicht sagen, daß ich immer Country und Blues spielen werde. Ich könnte mir schon vorstellen, mich weiterzuentwickeln. Im Augenblick werde ich aber wohl noch ein wenig dabei bleiben.



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aus Intro #25 (Juni 1995)
 
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