Fear Factory
bollwerk aus pollunderfasern
13.05.1995, 19:34, Text: Autor unbekannt
Es begab sich aber im Oktober 1990 in der ehemaligen spanischen Enklave Los Angeles, daß vier unerschrockene Helden der guten Musik sich suchten und fanden, um fortan eines Weges zu gehen. Und dieser führte sie über zwei Low-Budget-Demos zur Aufnahme des ersten Albums, das auf einem lokalen Label erscheinen sollte. Doch als bereits alle sechzehn Songs im Kasten waren und nur darauf warteten, in Rille zu machen, hieß es plötzlich: Arschkarte. Und man blieb auf dem Material sitzen, während der fette Labelboss versuchte, andere Idioten übers Ohr zu hauen.
Nicht faul, veröffentlichte man eben die Chose als weiteres Demo und einigte sich schließlich mit \"Roadrunner\", nochmal ins Studio zu gehen, nämlich im Mai 1992, um das 17 Songs umfassende Debüt unter Leitung von Colin Richardson in den Grand Master Recording Studios zu Hollywood rauszuhauen.
Wieder daheim machte man sich bald daran, Songs für den Nachfolger auszuarbeiten, der nun in Form des überbrutalen Konzeptalbums \"Demanufacture\" vorliegt. Gitarrist Dino Cazares erzählt eine lustige Mär: \"Nachdem wir in vier Monaten sämtliche Songs geschrieben hatten, gingen wir mit Colin Richardson ins Chicago Tracks Studio. Wir merkten jedoch schnell, daß wir mit dem dortigen Equipment nicht klarkamen und der Sound nicht unseren Vorstellungen entsprach. Im Frust telefonierte ich dann mit meinem Freund Billy Gould von FAITH NO MORE, der mir begeistert vom Bearsville Studio in NY erzählte, wo er gerade aufnahm. Kurz entschlossen buchten wir um und nahmen dort alles noch mal auf. Als wir fast fertig waren, kam der nächste Tiefschlag: Dem gebürtigen Briten Colin Richardson wurde von behördlicher Seite nahegelegt, die Staaten zu verlassen, da sein Visum abgelaufen war. Also mußte Burton, unser Sänger, mit ihm nach England fliegen, um dort die Vocaltracks aufzunehmen.\"
Das Ergebnis kann sich trotz aller Probleme absolut hören lassen, soundtechnisch ist es eine Meisterleistung. Meisterlich ist auch das Konzept der Platte, die wie aus einem Guß klingt und deren Texte sich um ein nicht namentlich genanntes Problemkind drehen, es als Spielball der Gesellschaft zeigen und letztendlich dem geneigten Hörer zeigen wollen, wie er oder sie sich von der Masse abheben, Individuum sein kann. Das genau mittig plazierte \"Dog Day Sunrise\" unterscheidet sich aufgrund seiner Herkunft zwar textlich etwas von den anderen Stücken, paßt aber musikalisch als HEAD OF DAVID-Coverversion genau ins Bild. Es geht darum, sich keinen Limitierungen auszusetzen und alles das zu verarbeiten, was man will. So stehen auf der Platte neben diesem fast schon alternativemäßigen Stück locker Gothiksongs wie \"A Therapy For Pain\", pure Extremthrasher wie \"Self Bias Resistor\" und das Titelstück, aber auch Industrialdeathklötze wie \"Replica\" oder \"Body Hammer\".
Als nächste Aktivität steht das Dynamo-Festival an, welches die danach auf ausgedehnte US-Tour gehende Band sicher noch weiter nach vorne bringen wird und vielleicht auch mal die doch arg vernachlässigten Geldbörsen der Herren Musiker mit klirrendem Besuch erfreut. Wünschen wir das Beste ...
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