Babes In Toyland
sisters just wanna have fun
10.05.1995, 11:23, Text: Autor unbekannt
Die etwas naive Hoffnung, \"Nevermind\" würde den Weg für einen neuen, durch den Underground autonom dominierten Mainstream freimachen, hatten die meisten bereits wieder fahren lassen. Der spätere Suizid Cobains unterstrich nur noch einmal dramatisch, daß ehemalige Independent-Acts im Overground nur dann funktionieren, wenn sie sich seinen Anforderungen beugen, sich die vorgegebenen Verhaltensweisen und Zielsetzungen zu eigen machen und ihren Companies als handliches, nur im Rahmen der Verpackungsidee sperriges Produkt zur Verfügung stehen. Nur wenige der \"Alternative-Stars\" haben es geschafft, ihren Weg weiterzugehen, ihre Position zu festigen und auszubauen, HELMET z.
Um nun den Bogen zum neuesten Output \"Nemesisters\" zu schlagen, kommen wir zurück zu der Levinschen Regel: BABES IN TOYLAND sind nur so gut, wie \"Fontanelle\" gut war. Immerhin eine Platte, die mit ihren postfeministischen Aussagen Maßstäbe gesetzt hat, die mit \"He's My Thing\" vom '93er Album \"Painkiller\" noch mal zementiert wurden. \"Nemesisters\" ist bezüglich der musikalischen und lyrischen Radikalität leider keine Weiterentwicklung, sogar eher Rückschritt als Stagnation, was vor allem, wenn man die aktuelle HOLE-Veröffentlichung dagegen hält, auf geradezu dramatische Art und Weise deutlich wird. Nun sagt Kat Bjelland zwar ganz richtig: \"HOLE sind Pop, L7 Heavy Metal und BABES IN TOYLAND Punk\", die Schlußfolgerung, die Bands wären deshalb nicht zu vergleichen, ist aber nur bedingt zulässig. Schließlich kann man Kat Bjelland und Courtney Love durchaus als Rivalinnen/Freundinnen/Schwestern in einem gemeinsamen Prozeß sehen. O-Ton Courtney: \"Wir waren mindestens zehn Jahre die besten Freundinnen, und hätten wir nicht zufällig das gleiche Geschlecht, könnte ich wetten, wir hätten geheiratet. Statt dessen kämpfen wir darum, wer der größere Star wird.\" Nun, geheiratet hat Miss Love bekanntlich NIRVANAs Kurt, was ihr den Titel Miss Cobain und ein großes Stück vom Popularitätskuchen einbrachte und bei Kat, deren Position als Leitfigur der Riot Girl-Bewegung plötzlich in Frage gestellt war, durchaus Neid und Mißgunst hervorrief. Meine Frage nach dem tatsächlichem Stand der Beziehung Love/Bjelland tut Kat mit einer Handbewegung ab. Das wäre alles nur Theater, ausschließlich für die Medien aufgeführt, und würde nur dem Zwecke dienen, noch berühmter zu werden. Schließlich wären sie ja Schwestern.
Überhaupt, das Wort Schwestern zieht sich fast schon Alibi-alike durch die neue Platte. Zeilen wie \"The whole world's out in front of me / all sugar coated phallusy / I will not follow stupid sheep / I will not bow I will not beep\" wirken wie der Versuch, sich im Reigen der Oden an die Leidenschaft eher unmotiviert auf den zu verteidigenden Standpunkt zu besinnen, der mit der abschließenden SISTER SLEDGE-Coverversion \"We Are Family\" zur hohlen Floskel degradiert wird. \"Wir wollten zeigen, daß wir nicht nur aggressiv und böse, sondern auch lustig sein können.\" BABES IN TOYLAND als die Punkrock-Ausgabe der Schwestern Franklin/Lennox/Laufer, fröhlich zwischen \"Sisters are doing it for themselves\" und \"Girls just wanna have fun\" herumpolternd. Wäre nicht nötig gewesen.
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