Fading Colours

ein hoffnungsschimmer

08.05.1995, 10:44, Text: Autor unbekannt

Ich will zwar nicht behaupten, eine solche gefunden zu haben, mit den FADING COLOURS aber bin ich beim Graben auf etwas gestoßen, das hoffen läßt. Die FADING COLOURS sind ein Quartett aus Polen, das eine sehr eigenwillige Auffassung von New Wave und Gothic-Rock zu haben scheint. Die Musik enthält zwar traditionelle Elemente wie melancholisch und düster angehauchte Passagen, in der Betrachtung des Gesamtwerks aber fühlt man sich beim Gedanken an eine Schubladenzuordnung nicht gerade wohl.
Mehr oder weniger entdeckt worden sind die FADING COLOURS durch Gunnar Eysel von LOVE LIKE BLOOD: Im Anschluß an einen gemeinsamen Auftritt in Warschau fiel Eysel ein Demo der FADING COLOURS in die Hände, welches er zum Anlaß nahm, die Band mit dem LLB-Produzenten Jean-Pierre in Kontakt zu bringen.

Im April dieses Jahres erschien als Resultat der Zusammenarbeit mit Jean-Pierre das Album \"Black Horse\".
Musikalisch, wie bereits bemerkt, nicht eindeutig festlegbar, begeben sich die FADING COLOURS auch textlich nicht soweit, es dem Hörer leicht zu machen. \"De Coy\", sagt Bassist Leszek Rakowski, \"arbeitet in ihren Texten sehr gerne mit unterschiedlich interpretierbaren Sätzen und überläßt es jedem selbst, die Rückschlüsse daraus zu ziehen. Den Titelsong des Albums zum Beispiel haben die einen als erotisches Bekenntnis De Coys erachtet, andere sahen eine Offenbarung der Zerstörung darin.\" Kein Wunder, schließlich dürfte De Coy mit ihrer Ausstrahlung zu jenen Frauen gehören, die ohne eigene Beteiligung dafür sorgen, daß mancher Mann gegen einen Beton-Pfeiler rennt, falls gerade einer im Weg steht. Wie soll man da noch in der Lage sein, Texte richtigerweise zu deuten?
Auf den melodischen Aspekt angesprochen, der neben der angenehmen und kräftigen Stimme De Coys ein tragender Bereich in der Arbeit der FADING COLOURS ist, sagt Leszek Rakowski: \"Ich denke, es sind gerade die schönen Melodien, die langfristig überleben. Harte und laute Musik mag es immer geben, allerdings geht sie ebenso schnell vorüber, wie sie gekommen ist. Betrachtet man zum Beispiel den Tekkno-Wave, der sich vor zwei Jahren breitmachte, was ist davon übriggeblieben? Nach wie vor aber wissen die Leute, wer DEPECHE MODE ist, wer die EURYTHMICS waren.\" Bleibt zu fragen, was aus New Wave und Gothic-Rock werden wird. Bands wie FIELDS OF THE NEPHILIM und die SISTERS OF MERCY etc. haben ohne Zweifel ihren Beitrag geleistet, die achtziger Jahre und die angesprochenen Stilarten auch in den Neunzigern nicht vergessen zu lassen. Leider aber mangelt es an aktuellen Vertretern. Werden Bands wie IKON und die FADING COLOURS das müde gewordene Image wieder aufpolieren können?



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aus Intro #25 (Juni 1995)
 
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