Dub War

was'n dub?

26.04.1995, 10:13, Text: Autor unbekannt

DUB WAR ist jedoch keine Band, mit der sich die Vertreter der reinen Dub-Lehre anfreunden werden können. Gegen eine innige Beziehung zu den Freunden des relaxten Jamaika-Dubs sprechen die zwar fröhlichen, aber ultraharten Metal-Gitarren, die von DUB WAR gerne und häufig verwendet werden. Schon das Line Up der Band ist anders, als man erwarten würde. Die Gruppe stammt aus Newport, was in Wales liegt und nicht gerade zum Nabel der Musikwelt zählt. Sänger Benji kommt aus der Dance- und Reggae-Szene und hat unter anderem schon mit dem legendären Mad Professor zusammengearbeitet. Der Gitarrist Jeff Rose ist zwar ein alter Reggae-Fan, doch sein exzellenter Ruf stammt aus der englischen Punk-Ecke.

Bassist Richie G. wiederum hat eine ausgeprägte Vorliebe für Thrash-Metal, während Drummer Martin Ford einen Hang zu ausgesucht fetten Beats hat. Das alles hört sich nicht zwingend nach einer Formation an, die sich gesucht hat und der man bei derartiger Verschiedenheit auch noch eine homogene und verkaufstüchtige Auffassung von Musik unterstellen möchte. Weit gefehlt: DUB WAR klingen nach einer mutigen Kreuzung aus den RED HOT CHILI PEPPERS, PANTERA und LIVING COLOUR mit der jamaikanischen Reggae-Ikone Desmond Dekker, einem Desmond Dekker nach langjähriger und relativ erfolgreicher Alkoholbehandlung. Die Musik des DUB WAR-Debüts \"Pain\" ist wild ausufernd, hart, zeitweilig gemein und leicht irr, aber mit so feinen, fetten Funk- und Dub-Grooves angereichert, daß einem die Verwandschaft zwischen Genie und Wahnsinn auf einen Schlag bewußt wird.
Begonnen hat alles 1992, als man sich plötzlich unter noch völlig ungeklärten Umständen in einem Proberaum zusammenfand. \"Die ersten Proben\", so Benji, \"waren wirklich wild. Aber wir wußten auf der Stelle, daß wir etwas Neues auf die Beine stellen konnten. Je länger wir spielten, desto mehr Spaß hatten wir dabei, die verschiedenen Musikrichtungen, aus denen wir stammen, miteinander zu verbinden.\" Nach diversen Gigs im Umfeld ihrer Heimatstadt reiste die Band im Sommer 1993 zu einem mehr zufällig arrangierten Auftritt in den Dub-Nabel der westlichen Welt: London. Mit ihrem Kurz-Auftritt begeisterten die Waliser die anwesenden Journalisten derartig, daß ein paar Label davon Wind bekamen. Schließlich bekamen DUB WAR einen Vertrag, der ihnen alle Freiheiten läßt und durch den sie in ein Studio gehen konnten, um ihr erstes gemeinsames Album aufzunehmen. Mit \"Pain\" definieren sie - ohne Rücksichten zu nehmen - ihr Verständnis von Musik, führen Dub in die Metal-Kreise ein und reaktivieren so ganz nebenbei noch den Punk. Fließende Beats, ein getoasteter Gasang, ein dreckiger Bass und eine Thrash-orientierte Gitarre zu Stücken wie \"Mental\", \"Nar Say Ting\" oder \"Pain\" sorgen für erhöhten Adrenalin-Ausstoß und verärgerte Nachbarn.
Ihre Live-Tauglichkeit konnte die Band schon bei Auftritten mit PITCH SHIFTER, den MANIC STREET PREACHERS und NEW MODEL ARMY unter Beweis stellen. \"Wir haben vor keiner Musikrichtung Angst\", sagt Benji zum Abschluß. \"Wir wollen alles ausprobieren. Ich glaube, daß wir bald was mit Jungle anstellen werden.\" Man darf gespannt sein.



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aus Intro #24 (Mai 1995)
 
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