Stuck Mojo

konföderierten kreuzüber

20.04.1995, 11:50, Text: Autor unbekannt

Nicht nur die von den \"Mo' Beats\"-Parties hoffentlich noch im Gedächtnis gebliebenen G-Funketiere DFC zog es von Los Angeles nach Atlanta. Mit Erscheinen des STUCK MOJO-Erstlings \"Snappin' Necks\" dürfen jetzt auch die Freunde krachender Kreuzüberklänge den Edding zücken, um die Heimat Scarlett O'Haras und General Lees mit einem dicken Kreuz als erste Adresse auf der Crossover-Landkarte zu markieren. Der Süden der Vereinigten Staaten, bisher eher als innovationsarmer Brutkasten biederer Southernrock-Bands vom Schlage MOLLY HATCHETs oder der ALLMAN BROTHERS verschrien, entwickelt sich langsam, aber sicher zum künftigen Tummelplatz der Talentscouts.

STUCK MOJO allerdings werden dann bereits mit von oben genannten alten Männern entliehenen und aufpolierten Gitarrenbreitseiten die IKEA-Jugendzimmer hiesiger Wollmützenträger (die noch nicht einmal geboren waren, als MOLLY HATCHET in Jacksonville/Florida die ersten Punks ihrer Stadt grün und blau prügelten) in den Grundfesten erschüttern. Obwohl sie - ganz in der Tradition des Süden stehend - alles andere als eine populärmusikalische Revolution betreiben, und die großen konföderierten Gitarrenarmeen mehr als deutlich Pate für den einen Grundpfeiler ihres Sounds gestanden haben, klingt dieser, getragen durch den anderen Pfeiler, den leicht gewöhnungsbedürftigen, weil wenig variablen Sprechgesang von Frontmann und Rapper Bonz, erstaunlich frisch. Die seltsame Kombination aus Midtempo-Knochenbrecher-Riffs und Vokal-Maschinengewehr hebt die Band deutlich aus der Masse der CHILLI PEPPERS- und RAGE AGAINST THE MACHINE-Epigonen heraus, mit der die Kids heute zugeschüttet werden. Auch wenn Shouter Bonz den STUCK MOJO-Sound - Mojo ist übrigens ein von Voodoopriestern zum Abwehren von Flüchen verwendeter Sack voller Haare, Kräuter, Federn etc. - gerne als \"groove rap with a metal edge\" verstanden wissen will, liegt der Schwerpunkt der Band doch ganz klar beim durch Hardcore- und Thrash-Injektionen verjüngten Hardrock der örtlichen Schule. Der vollständige Verzicht auf die andernorts ach so angesagten Samples gibt den Stücken oft eine geradezu puristische Note. Jederzeit nachzuprüfen mittels des auf \"INTROducing Vol.1\" vertretenen Tracks \"Not Promissed Tomorrow\", der mittlerweile bereits den einen oder anderen von Euch kalt auf der Tanzfläche erwischt haben sollte. Wo immer das Ding läuft, ist eine ungewöhnlich ausgewogene Mischung aus Auf-und-nieder und Schüttel-dein-Haar-für-mich angesagt.
Nachdem STUCK MOJO in heimischen Gefilden anfangs starke Startschwierigkeiten hatten - mit zwei farbigen Bandmitgliedern ist es im Herz von Redneck County scheinbar tatsächlich nicht einfach, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen -, schaffen sie heute locker einen Schnitt (!) von 16 Shows im Monat und haben in den Staaten in der Zwischenzeit Größen wie die BAD BRAINS, ANTHRAX, SEPULTURA und PANTHERA supportet. Europa und vor allem Deutschland werden sie - gesetzt den Fall, es läuft alles nach Plan - im Juni mit DOWNSET und den Chartbreakern DOG EAT DOG betouren. Bis dahin sollte zumindest jeder, der alt genug ist, ein Konzert zu besuchen, den Refrain von \"Not Promissed Tomorrow\" mitgröhlen können. Sind ja nur drei Wörter.



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aus Intro #24 (Mai 1995)
 
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