Caspar Brötzmann Massaker
von einem, der auszog ...
19.04.1995, 14:57, Text: Autor unbekannt
Auffällig ist, daß die Neuaufnahmen zwar die Grundstruktur und die Themen des ursprünglichen Materials beibehalten haben und doch atmosphärisch dichter, moderner klingen. \"Man hat normalerweise selten die Gelegenheit, Stücke nach fünf Jahren noch einmal neu aufzunehmen, zumal die ersten Aufnahmen ausnahmslos Low-budget-Produktionen waren\", erklärt Brötzmann. \"Die Songs verselbständigen sich auf der Bühne, was wir versucht haben, auf 'Home' zu dokumentieren.\" Immer wieder weist Caspar dabei auf die Loyalität seines jetztigen Labels hin, das ihm überhaupt erst die Intensität der beiden Vorgängeralben \"Der Abend Der Schwarzen Folklore\" wie auch \"Koksofen\" ermöglichte.
Auffällig ist, daß Caspar Brötzmann ein ruhiger, verbindlicher und äußerst freundlicher Gesprächspartner ist. Trotz des Interviewmarathons der letzten Tage nimmt er sich Zeit für sein Gegenüber, geht auf ihn ein, was mehr denn je in seiner Persönlichkeit als in einer notwendigen Abgeklärtheit liegt. Immer mehr verfestigt sich in mir der Eindruck, daß Amerika und die dortige wissende Akzeptanz quasi Selbstfindung und Katharsis in einem gewesen sein müssen, die ihre klangliche Manifestation in \"Home\" fanden und somit ein Ausdruck größtmöglicher Authentizität sind. Immer wieder schwärmt Caspar: \"Wir haben fantastische Musiker kennengelernt, mit Martin Aktins (PIGFACE, Ex-MINISTRY, Ex-KILLING JOKE) habe ich die Freiheit gefunden, das zu machen, was ich immer schon wollte.\" So entstehen über die Musik Freundschaften, ja Wahlverwandtschaften, die gemeinsame zukünftige Produktionen ermöglichen.
Brötzmann ist ein eloquenter Gesprächspartner, teilt mir noch Interna des MASSAKERs und Umbesetzungen wie Eduardos Wechsel zu den REALITY BROTHERS mit, wobei er vehement darauf hinweist, daß das MASSAKER demnächst größer wird und damit mehr Band als Einzelperson. Enthusiasmus und Aufbruch liegen in seinen Worten.
Heute abend kommt Caspars Freundin, gemeinsam wollen sie sich München anschauen, bevor man morgen nach Berlin zurückfliegt. \"Warst du nicht mal verheiratet?\" frage ich ihn. \"Ach, das ist schon lange vorbei\", und zurückbleibt der Eindruck der vollständigen Losgelöstheit eines in sich ruhenden Individuums. Von einem, der auszog, die Welt zu entdecken.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Alle Artikel von Autor unbekannt
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...





