D.H.I.

aus toronto bläst der sturm

15.04.1995, 22:53, Text: Autor unbekannt

Bereits 1987 im Zuge eines Abends des Herumexperimentierens mit Synthesizern, Samplern und Gitarren von Sänger Vicar und Sample-Spezialist Graf gegründet, veröffentlichte die Band in den beiden folgenden Jahren zwei Demo-Tapes und spielte einige Gigs in der Umgebung Torontos. Drei Jahre sollten allerdings ins Land ziehen, bevor die Formation 1990 von \"Fringe Product\" unter Vertrag genommen wurde und die EPs »Chemical Land« und »Bitter Alloys« sowie das Album »Machine Altar Transmission« auf den Markt kamen. Verstärkt wurde das Duo durch Keyboarderin Nocturne, die durch ihre klassische Musikausbildung - u.a. spielt sie auch Geige! - dem Sound der Band eine neue Dimension verlieh, und 1993 vervollständigte das DOGPILE-Mitglied Speed (alias Mike Gibbs) als Bassist/Gitarrist D.H.I. zu einem Quartett.

Neben Audioaufnahmen wurden einige Video-Clips realisiert, die zumindest im kanadischen Pendant zu MTV, Much Music, zu sehen waren; ob sie auch auf dem europäischen Markt veröffentlicht werden, bleibt abzuwarten.
Das neueste Album, »Pressures Collide«, wurde vor kurzer Zeit über das belgische \"KK Records\"-Label auch in Deutschland veröffentlicht und bot als Kostprobe des nunmehr achtjährigen Schaffens eine bösartige Lärmattacke, die zur Zeit ihresgleichen im Crossover-Elektro-Industrial-Bereich sucht. Auf die Frage nach dem Zustandekommen des neuen Albums erklärt Graf: \"'Pressures Collide' begann mit einer Periode, die wir gänzlich der Kreation neuer Sounds widmeten. Z. B. fing das Stück 'Any Power' lediglich mit dem Geräusch plätschernden Wassers an. Wir legten dann die Percussions im Rhythmus dieses Plätscherns drüber und bauten den gesamten Song drum herum auf. Die Qualität der verwendeten Sounds hatte auf 'Pressures Collide' einen hohen Stellenwert.\" Bezüglich der Texte fügt Sänger Vicar hinzu: \"Ich versuche, in jedem Song viele ineinanderverschachtelte Gedanken zu vereinen. Immer wiederkehrende Themen waren diesmal Angst, Mut, verlorene Unschuld, Selbsterkenntnis und Desensibilisierung.\"
Hat man als Musiker aus Toronto manchmal das Gefühl, daß der Szene in Vancouver zu viel Beachtung geschenkt wird, während Toronto unberücksichtigt bleibt? \"Nein, das habe ich nicht. Ich bin froh, daß es einige kanadische Musiker aus einem ähnlichen Genre gibt, die Erfolg haben. Es gibt eine elektronische Szene in Toronto, und ich hoffe, daß sie auch bald international von sich reden machen wird\", so Grafs Wunsch.
Davon kann man ausgehen, denn für den Sommer haben sich D.H.I. vorgenommen, auch den europäischen Hörern die Ohren live mit ihren Noise-Attacken durchzupusten.



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aus Intro #24 (Mai 1995)
 
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