Supergroove

heute mal ohne nachzudenken ...

13.04.1995, 11:26, Text: Autor unbekannt

Und das ist ja auch alles gar nicht so richtig wahr (bis auf ein paar Bass-Lines). Eigentlich ist SUPERGROOVE eine gute Funkband, die Ausflüge in Metal und Pop macht. \"Außerdem befinden sich auf der Platte Stücke aus fünf Jahren. Stücke wie 'Only The Rain' oder 'Scorpio Girls' sind so unterschiedlich, weil ihre Entstehung zeitlich sehr weit auseinanderliegt.\"
\"Traction\" (siehe INTRO 04/95) ist ein sehr reifes Album, das die Entwicklung und Bodenhaftung der Band unterstreicht. Nick gab mir einige Eckpunkte der Bandgeschichte: \"Nachdem wir unsere Instrumente richtig herum halten konnten und über die Schwelle des Selbstkomponierens getreten waren, bekamen wir einen befristeten Lizenzvertrag von 'BMG'.

Das hieß für uns erst einmal, weiterhin das zu machen, was wir eh' schon taten, nämlich unsere Stücke selbst zu komponieren und bis zur Pressung vorzubereiten. So lief die erste Low-Budget-Produktion. Bei dieser Platte wußten wir aber, daß ein echter Vertrag unumgänglich war, weil unsere Ansprüche, auch was die finanziellen Anforderungen betraf, wesentlich gestiegen waren.\" Also die kosmetische Pop-Platte mit allen Hitfinessen und einem geilen Produzenten? - Ist es irgendwie nicht geworden. \"Sollte es auch nicht. 'BMG' hatte gesehen, daß wir unseren Kram alleine hinkriegen. Also - wir haben ohnehin große künstlerische Freiheiten innerhalb des Vertrages - durften wir auch diese CD komplett im Alleingang produzieren. Unser Sänger Carl ist dabei auch der Mann an den Reglern. Wir hatten lediglich einen Toningenieur, Malcolm, der hin und wieder 'Ups' und 'Hm' oder 'Yo' sagte.\" Ja, ja, die Toningenieure ... Aus den Plattensammlungen der Bandmitglieder bekomme ich Namen wie PUBLIC ENEMY, JAMES BROWN und TOOL gleichwertig nebeneinander angeboten. Wie ich es gerne hätte? In einem Kübel, die Eier obendrauf, und nicht mit der Pastete knausern ...
\"Bis vor ein paar Jahren kamen aus Neuseeland eine Handvoll gitarrenorientierter Bands wie THE CHILLS. In letzter Zeit ist der HipHop- und Dancebereich im Kommen, davon sind wir sicherlich auch beeinflußt worden.\" Kann man so sagen. Zumindest verknotet sich mir die Zunge, wenn ich auch nur ansatzweise den Rap in \"Can't Get Enough\" mitträllern möchte. \"Klar, er ist ganz schön schnell, wenn er will. Das ist aber ein Gott gegebenes Talent.\"
Ein Problem, das eine jede Band in Neuseeland zu überwinden hat, ist, aus Neuseeland zu verschwinden. Nick erklärt diese merkwürdige Relativitätstheorie: \"Unser Album hat hier jetzt dreifachen Platin-Status, ist in den Top Five, hat alles erreicht, was ein Album in Neuseeland erreichen kann, aber wir können noch nicht davon leben. Es ist widersinnig, aber wir müssen schon in die Welt hinaus, um genug Geld zu verdienen. Deshalb war es für uns auch klar, zu 'BMG' zu gehen, weil Indie-Labels hier einfach nicht annähernd genug für uns machen könnten. Außerdem hätten Label wie 'Flying Nun' uns nie gesignt, da sie gitarrenorientiert sind. Soweit ich es überblicken kann, war dieses Jahr schon relativ erfolgreich für neuseeländische Bands, du kennst ja vielleicht SHIHAD. Von daher hast du recht, eine Band muß Neuseeland verlassen, um richtig Erfolg zu haben.\"
Da es sich sowieso alles extrem lebendig anhört: Worauf können wir uns im Juli freuen, wenn SUPERGROOVE über unsere Bühnen brettern? \"Wenn ich jetzt mal ein wenig arrogant klingen darf: Wir haben eine sehr gute Live-Show. Und das Album funktioniert live auch richtig gut. Viele Stücke, wie 'Don't Look Down', sind halt für die Live-Situation geschrieben worden. Und wir arbeiten hart auf der Bühne. Niemand soll am Ende sagen: 'Ziemlich gut für eine Band aus Neuseeland!' Es soll die Leute umhauen, egal, woher wir kommen. Und vor allem wollen wir so gut sein, wie wir können.\"

Selbstbewußtsein ist einfach eine tolle Sache, vor allem, wenn es überzeugt. Überzeugen müssen sie mich noch von der Bühne herunter - read this magazine for dates and updates -, ansonsten ist SUPERGROOVE gedankenlos angenehm, unverbindlich positiv, nicht anstrengend mitreißend und vortrefflich rhythmisch, nicht? Ich schraube mich jetzt gedanklich wieder in den grünen Breich, in schwindelerregende Höhen des Sich-Selbst-Nicht-Seins oder - wie Sartre, die alte Schwarte, es so keck behauptete - des Ichs und des Zirkels der Selbstheit. Punkt. Jahaha!



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aus Intro #24 (Mai 1995)
 
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