Buttermaker

macht ernst

07.04.1995, 20:49, Text: Autor unbekannt

Seitdem gebührt BUTTERMAKER, wie Michael Nieweg außerhalb der Bürozeiten beim Arbeitsamt heißt, mein Respekt. Meine Heldenverehrung teile ich mit ganz Bielefeld, ach was, mit ganz Ostwestfalen-Lippe, und, vielleicht, demnächst mit der ganzen Welt. Schließlich ist die Zeit mal wieder reif für einen Anti-Helden: BUTTERMAKER ist dick, dickbebrillt und schrappt ganze lange Konzertabende ausschließlich E-Barré. Dazu preßt er sich Gesänge über das Leben als Verlierer, Trinker oder Hausmeister aus dem bürostuhlgeformten Leib. Kurz: Er versprüht herbsten Underdog-Charme und sieht aus, als arbeite er beim Finanzamt. \"Finanzamt? Nee, Arbeitsamt! Ich arbeite dort nicht als Arbeitsvermittler, nicht als Berufsberater, sondern in der Arbeitsvermittlung als Fachangestellter für Arbeitsförderung.\"
\"Und dein Termin neulich beim Steuerberater?\"
\"Ach so, nee, haha, das war wegen 'nem Lohnsteuerjahresausgleich, also hatte jetzt nichts mit der Musik zu tun, soweit isses noch nich!\"
Was nicht ist, kann noch werden.

BUTTERMAKER dudelt momentan auf allen Kanälen: Sein CD-Erstling rangiert in den Charts von Radio Bielefeld seit Wochen auf Top-Positionen; kaum ein Magazin, das sich mit dem kommenden Mega-Hype BUTTERMAKER noch nicht befaßt hätte. Das Foto, das ihn auf seinem Mokick thronend zeigt - BUTTERMAKER benutzt aus augenoptischen Gründen keine Automobile -, kennt allmählich ganz OWL.
Angeblich hätte Thomas Koschwitz ihn gern in seiner Talkshow, der SWF hat ähnliche Interessen angemeldet, VIVA wird demnächst BUTTERMAKER-technisch an den Start kommen.
Konzertveranstalter stehen vermutlich Schlange und hoffen darauf, daß Gott BUTTERMAKER seine Hommage an \"Hausmeister Hans\" - begleitet in der Regel von Drumcomputer + 1 Gitarre + Bass vom Band - in deren heilige Hallen hinausposaunt.
\"Ob ich die Sache professionalisieren möchte? Es wäre ja schön, wenn! Jeder Musiker hat doch irgendwie diesen Traum. Momentan ist es Hobby, und das bleibt es auch. Vielleicht werd' ich irgendwann dick und gefräßig oder Trinker. Aber eins werd' ich nie, und das ist: arrogant! Meine Sache ist schließlich die, die Sache des Ottonormalverbrauchers auszudrücken, weil ich im Endeffekt nichts anderes bin. Beim 'Hausmeister Hans' zum Beispiel geht es ja auch nicht darum, den Hausmeister bloßzustellen oder lächerlich zu machen. Ein Hausmeister hat mir mal meine Schreibtischschublade repariert. Der Schlüssel war abgebrochen.
Ich zum Beispiel habe zwei linke Hände. Ich bin immer fasziniert, wenn Leute mit Technik umgehen können. Und ich sach mal so: Es wird hier so viel studiert. Aber wenn der, ich sach mal so, 'kleine Mann' unten nicht die Lagerhalle fegen würde, könnten die da oben sowieso einpacken! Meine Texte sind also schon sehr ernstgemeint. Live wollen die Leute allerdings hauptsächlich unterhalten werden. Da zählt der Spaß. Wenn die Leute Spaß haben, habe ich auch Spaß. Ich werd' 'nen Teufel tun und jetzt Gitarrenunterricht nehmen. Und wenn live 'ne Saite reißt - dann reißt sie eben. Ich weiß, daß ich kein guter Gitarrist bin und auch keine geschulte Stimme hab'. Aber was soll's. Musik ist reine Gefühlssache. Und Gefühle sind nun mal nicht perfekt!\"



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aus Intro #24 (Mai 1995)
 
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