Ween
push the little daisies
06.04.1995, 11:34, Text: Autor unbekannt
\"Chocolate And Cheese\" hört sich an wie ein prächtiger Sampler; mal träumerisch, mal rockig, viel Blues und einige WEEN-typische mexikanische Einschläge lassen beim ersten Hören nicht unbedingt darauf schließen, daß alles von einer einzigen Band eingespielt wurde. Allen Songs gemein sind hingegen die Texte, die fast durchweg lustig, schweinisch und manchmal schon verletzend (HIV-Song!) daherkommen. Vergleicht man den aktuellen Output mit den Vorgänger-Alben (\"The God Ween Satan\" '91, \"The Pod\" '92 und \"Pure Guava\" '93), nehmen sich diese doch noch verspielter aus. Es scheint fast so, als hätten WEEN bisher nur ein wenig geübt, um nun den großen Wurf zu landen.
Wer hat WEEN schon vor \"Chocolate And Cheese\" gekannt? Wenige.
So, und neulich waren WEEN zu Gast in Deutschland und gaben eine Handvoll Konzerte, auf die überall mehr als eine Handvoll zuviel Leute kamen. Und wir hatten nicht nur die Annehmlichkeit, Eintrittskarten zu besitzen, sondern auch einen Interviewtermin mit der Band, die, wie wir meinen, so gut ist, daß sie eine Revolution auslösen könnte. Nach dem großartigen dreistündigen Konzert saßen wir dann Gitarrist Dean Ween und dem Bassisten und Produzenten Andrew Weiss gegenüber.
WEENs zunehmende Popularität ist, mal abgesehen von der Qualität des neuen Albums, wohl auch auf den erneuten Label-Wechsel in den Staaten zurückzuführen, wobei \"Elektra\" eigentlich nicht gerade der Idealtypus eines Labels zu sein scheint, bei der eine so eigenwillige, kreative und vor Ideen übersprudelnde Band aufgehoben sein sollte. Ihnen selber ist das anscheinend recht wurscht, denn auf die Feststellung, besagtes Label sei ja auch das Zuhause von Pop-Ikone TRACY CHAPMAN, mußte Dean lachen und bemerkte mit breitem Grinsen: \"Oh, it's good, as good as anything else.\" In Europa dagegen erscheinen sie auf \"Flying Nun\", übrigens als einzige nicht-neuseeländische Band (was sie bis vor kurzem selbst nicht wußten). Im Rahmen der Tour werden sie nun auch erstmals die Heimat dieses Labels ansteuern, worauf sie sich sichtlich freuen (Stichwort: \"Mushroom Harvest\"). Aber auch in Deutschland haben sie sich recht wohl gefühlt, weil vieles ganz ähnlich wie in Amerika sei: \"Germans are on a similar level of Americans, Germans go on vacation on Hawaii and everybody hates them; Americans go on vacation on Barbados and everybody hates them. They come and just flip out their check-book. So mainly WEEN brings out the crassness of Americans\", meinte Andrew Weiss, aber Dean fügte fast entschuldigend hinzu: \"We're Americans, not intentionally, but obviously we ARE Americans.\"
In bezug auf die im Gegensatz zu ihren Vorgängern weitaus straighter klingende neue Platte wollten wir wissen, ob der jetzige Erfolg, zumindest in Europa, beabsichtigt gewesen sei. \"It doesn't matter. WEEN is about all our songs. That's how it should be. I don't wanna play smaller audiences just to have more credibility. I want our records to get better and play bigger people\", meinte Dean und schwärmte gleich von neuen Ideen, wobei er in eine minutenlange Fachsimpelei mit Andrew verfiel.
WEEN macht die Musik einfach nur Spaß! Im Studio genauso wie auf der Bühne, was auch eindrucksvoll zu sehen war. \"We're trying to have fun. It sucks when you don't have fun, you never ever play a show that you don't have fun in, and that's any good. It's best when you get equal parts, you play good and you have fun and the whole thing happens. Studio and stage are both gratifying in different ways - you play a good show and it lasts 'till about an hour from now and maybe if it's really great 'till tomorrow morning. But if you record a good song, that's forever and ever and ever ...\", sagte Dean mit einem Grinsen, zeigte uns noch stolz seine Blumen, die ihm eine Verehrerin zugeworfen hatte, und lachte. BOOGNISH RULES!
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