Stone Roses

die älteren brüder des brit-pop-revivals

24.03.1995, 20:30, Text: Autor unbekannt

Fragt erstmal, was man bei uns denn zur Zeit so für Musik hört, und erzählt dann von den ganzen britischen Bands, die nun alle wie THE WHO klingen würden und verrät, daß er am liebsten Jungle hört und bei sich zu Hause, nur so zum Spaß, auch Jungle-artige Musik aufnimmt. Es scheint, als sei Reni froh, endlich mal wieder ordentlich Interviews geben zu dürfen, jedenfalls redet er ohne Punkt und Komma. \"Ich weiß nicht, woher das Gerücht kam, daß wir keine Interviews geben würden. Wir haben eins für 'The Big Issue' (britische Obdachlosenzeitung) gemacht und danach vier Wochen lang keins, damit 'Big Issue' gut verkaufen konnte. Das hat sich auch gelohnt.

Von dem Geld konnten sie sechs Appartements für Obdachlose einrichten. Das war es meiner Meinung nach wert, daß wir einen Monat die Klappe gehalten haben. Unser Verhältnis zur britischen Presse ist seitdem getrübt.\"
Die STONE ROSES sind mit Sicherheit keine einfache Band. Kompromisse gehen sie nur ein, wenn es sein muß. Vor über fünf Jahren im Zuge der Manchester-Euphorie gehyped und als Retter des Rock'n'Roll auf der Insel gefeiert, machten sie in den folgenden Jahren bloß noch durch Gerichtsverhandlungen auf sich aufmerksam. Die Auszeit danach hat Reni sehr genossen, wie er sagt. Glaubt man ihm gerne, denn mit vier Millionen Mark Vorschuß von ihrem jetzigen Label \"Geffen\" für das zweite Album läßt es sich zweifelsohne nett leben. Als Ende letzten Jahres \"The Second Coming\" erschien, nahm man es mit Wohlwollen zur Kenntnis, doch die große Euphorie blieb aus: Die großen Knaller fehlten. Außerdem sind die STONE ROSES nun über Dreißig, haben Kinder und gelten deshalb nicht mehr als cool, wie Reni meint. \"Schau dir BLUR an, die sind unheimlich clever. Die wissen, was sie können und wer ihre Fans sind. Wir dagegen haben keine Ahnung, wer zu unseren Konzerten kommen wird, wenn wir Anfang April zur sechsmonatigen Welttournee aufbrechen. Die Kids, die jetzt zu BLUR gehen, sind sehr trendy. Wahrscheinlich sind es die gleichen, die vor fünf Jahren zu uns gekommen wären.\"
Zynisch, wie viele ihrer Brit-Pop-Kollegen, wollen die STONE ROSES nicht sein. Jedenfalls nicht in ihrer Musik. \"Wir haben eine ziemlich simple Botschaft: 'Geht raus in die Sonne, hört keine SMITHS-Platten mehr, denn die machen depressiv, gebt Eurer Freundin einen Kuß, habt Spaß.'\"
Dann erzählt Reni, ein begnadeter Plauderer, wie sich die ROLLING STONES bei der Frage, ob das Quartett im Vorprogramm ihrer Tour spielen wolle, einen Korb holten, wie schon vor fünf Jahren. Auch mit BON JOVI hätten sie spielen können, und - hört hört - mit SLAYER. \"Wenn überhaupt, hätte mich die SLAYER-Sache gereizt. Bei den STONES hätten uns eine Menge Leute kennengelernt, aber wir wollen nicht für Leute spielen, denen wir gleichgültig sind. Die typischen Strategien der Plattenfirmen machen wir nicht mit. Wir sind keine abgezockte Rockband, die alles tut, um Kohle zu verdienen.\"
Immerhin, den Manchester-Hype haben sie überlebt. Sie sind die einzige Band von damals, die noch richtig dabei ist. Nun sind sie quasi die älteren Brüder des Brit-Pop-Revivals, doch ihre exponierte Stellung haben sie eingebüßt. Die STONE ROSES anno '95 sind kein Phänomen mehr, Wunderdinge von ihnen sind nicht in Aussicht. Aber eine gute Band zu sein, die sich behauptet hat, das ist doch auch schon was.



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aus Intro #23 (April 1995)
 
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